|
Autorenlesung und Gespräch
„WILDE SCHWERMUT -
Erinnerungen eines Unpolitischen“
mit dem
Autor
Minister a.D. /
General a.D. Jörg Schönbohm
am Dienstag, 12.
Oktober 2010, 19.00 Uhr
im Rathaussaal von
Bückeburg, Marktplatz 2
*****
Pressebericht
vom
15.10.2010

Wer will,
dem ist nichts zu schwer
Bückeburg (kk). Karge Fakten und nackte Zahlen sagen
nur wenig über Geschichte aus, langweilen eher, als neugierig
auf Vergangenes zu machen. Selbst Themen der jüngeren
Zeitgeschichte wie das Leben in der DDR, die „Wende“ und die
Wiedervereinigung werden gerade von jungen Leuten eher
desinteressiert betrachtet. Wenn überhaupt jemand diese
Gleichgültigkeit aufbrechen kann, dann sind es engagierte
Zeitzeugen, die auch etwas zu sagen haben. Junge Leute waren
zwar leider im überfüllten Le-Theule-Saal kaum auszumachen,
doch wer am Dienstagabend einer Einladung der Gesellschaft für
Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) gefolgt war, der wurde
nicht enttäuscht. Hier ergriff nämlich genau solch ein
Zeitzeuge das Wort – und fesselte zwei Stunden lang das
Auditorium: Jörg Schönbohm.

Ein Zeitzeuge ersten Ranges: Jörg Schönbohm im Le-Theule-Saal
im Rathaus (Foto: Ulrich Wilke)
(Zum Vergrößern: Bild
anklicken)
Als Lesung war der Abend angekündigt, doch der CDU-Politiker
und Generalleutnant a.D. nutzte seine Biografie „Wilde
Schwermut – Erinnerungen eines Unpolitischen“ eigentlich nur
als Leitfaden – und sprach frei. Und das war ein Glücksfall:
Gestenreich, fesselnd, humorvoll und kenntnisreich zog er die
Zuhörer in seinen Bann. Seine oft kernigen politischen Thesen
und Aussagen mögen nicht jedermanns Sache sein, eins müssen
ihm aber auch Kritiker zugestehen: Gradlinigkeit, Ehrlichkeit
und Aufrichtigkeit. Bei Schönbohm weiß man, woran man ist.
Als Innensenator in Berlin und als Innenminister in
Brandenburg hatte Schönbohm schnell den Ruf eines zupackenden
Hardliners weg. Auch in Bückeburg verteidigte er Aussagen wie
„Integration darf keine Einbahnstraße sein“. Auch Thilo
Sarrazins These, bestimmte Kulturkreise ließen sich nicht
integrieren, kann Schönbohm zustimmen.
„Wichtig ist, dass solche Thesen sachlich diskutiert werden,
das aber ohne die Moralkeule herauszuholen!“ machte der
Ex-Innenminister klar. Und dann müssten Entscheidungen
getroffen und auch durchgezogen werden. Das hat Jörg Schönbohm
beim Militär gelernt.
Bekannt wurde er als Kommandeur des Bundeswehrkommandos Ost in
Strausberg. In dieser Funktion koordinierte er die Auflösung
der NVA und die Integration der verbliebenen Soldaten in die
Bundeswehr. Besonders spannend war es, wenn er aus der Vor-
und Nachwendezeit berichtete – und auch einmal aus dem
Nähkästchen plauderte. Schmunzeln löste seine Schilderung aus,
wie der den späteren US-Präsidenten Bush kennen lernte. Der
war, damals noch Vizepräsident, mit Verteidigungsminister
Manfred Wörner und Schönbohm im Hubschrauber an der
innerdeutschen Grenze unterwegs. Im Schneesturm musste
notgelandet werden, der General organisierte die Rückfahrt –
im Zug (!) und mit einer Kiste Bier. Der Bogen des Abends war
jedoch viel weiter gespannt: von der Flucht der Familie nach
dem Krieg aus Brandenburg in den Westen bis zu seinem
Ausscheiden aus der aktiven Politik im Jahr 2009.
Als dankbaren und zufriedenen Menschen bezeichnete sich Jörg
Schönbohm. Sein Lebensmotto: Wer will, dem ist nichts zu
schwer (Ignatius von Loyola). – Das mochte man ihm gerne
abnehmen.
|