Nachschau - Veranstaltung am 28.08.2012


 

Vortragsabend

 zum Thema

Die dunkle Seite des Internets

Referent:     

Oberstleutnant Volker Kozok

Kommandeur Pionierregiment 100

am Dienstag, 28. August 2012, 19.00 Uhr
im Hotel Bad Minden

Portastraße 36, Minden

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Pressebericht

vom 31.08.2012

2602435 ungelesene E-Mails im Postfach

Bundeswehr-Sicherheitsexperte Volker Kozok erhellt

das Thema "Die dunkle Seite des Internets"

VON HERBERT BUSCH

Minden (hz). Einen recht flotten Parforceritt durch die "Dunkle Seite des Internets" (Vortragsthema) hat eine Veranstaltung der Sektion Minden der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) ihren Teilnehmern präsentiert.

Volker Kozok vermittelte dem Auditorium im Hotel Bad Minden vor allen Dingen den Befund: "Ganz und gar schützen können Sie sich nicht." Was das Publikum angesichts des ungemeinen Erfahrungsschatzes des Fachmanns gleichermaßen betrübt wie erleichtert zur Kenntnis nahm. Zeigte die Aussage des Technischen Referenten beim Datenschutz-Beauftragten der Bundeswehr im Bundesverteidigungsministerium doch zugleich Mankos der öffentlich-rechtlichen Spezialisten im Kampf gegen Cyber-Halunken wie auch die Erkenntnis auf, dass Otto-Normal-User im Online-Wesen letztendlich mit den Fachleuten mehr oder weniger auf der gleichen Wellenlänge hantiert.

Allerdings führte der Referent der GfW-Zuhörerschaft auch die Schnelllebigkeit des weltweiten Netzes vor Augen: "Alles, was älter ist als ein Jahr, gilt nicht mehr. Sollten Sie mich nächstes Jahr erneut einladen, werde ich einen ganz anderen Vortrag halten."

Kozok, seit 22 Jahren im Geschäft und mannigfach in Sachen Cyber Security respektive Cyber Crime vernetzt, vermittelte sein umfangreiches Wissen auf überaus unterhaltsame Art. "Unter meinem Namen werden weltweit Tausende Uhren, etliche gefälschte Produkte und sogar Pornografie angeboten", ließ er das Publikum ganz offen wissen. Er sei ein "begehrter E-Mail-Verschicker", dessen Adresse immer wieder von zwielichtigen Gestalten ohne sein Zutun missbraucht werde.

Der Missbrauch funktioniere allerdings auch andersrum, indem der elektronische Briefkasten mit Müll, sogenannten Spam-Mails, verstopft werde. "2602435 ungelesene E-Mails", habe sein Programm einmal angezeigt. Es gehe aber noch einige Nummern größer: Im Juli dieses Jahres sei die letzte Lebensader eines Botnetzes (vernetzte Rechner; illegale Varianten funktionieren ohne Wissen der Computerbesitzer) gekappt worden, das für die Versendung von bis zu 18 Milliarden Spam-Mails pro Tag verantwortlich gewesen sein soll, so der Referent weiter.

Russische Akteure engagiert

Dem unter der Bezeichnung "Grum" agierenden Zombie-Netzwerk sollen rund 120000 gekaperte Computer zur Verfügung gestanden haben. Kontrolliert worden seien die infizierten Rechner von Servern in den Niederlanden, Panama und Russland. "Seit einiger Zeit zählt interessanterweise auch Kamerun zu den außergewöhnlich riskanten Internetstandorten", legte der Experte dar. Hier seien offensichtlich russische Akteure in großem Stil engagiert.

In der nächsten Stufe des Cyber-Unwesens kämen Kanonen zum Einsatz. Die (im Internet frei erhältliche) "Low Orbit Ion Cannon" (LOIC, Ionenkanone. in niedriger Umlaufbahn würden im Zusammenspiel einen Zielrechner mit der Absicht überfluten, den jeweiligen Dienst oder den ganzen Rechner lahmzulegen. Mit diesem "Denial of Service" (Serviceablehnung) würden unter anderem Unternehmen wie "Mastercard", "Visa" und "Paypal" konfrontiert, nachdem sie der Enthüllungsplattform "Wikileaks" ihre Dienstleistungen versagt hätten, so Kozok. "Da wurden von Tausenden Computern bis zu 700 Anfragen pro Sekunde abgefeuert", erläuterte der Fachmann.

Um eine Kreditkartenfirma wie Mastercard "abzuschießen" bräuchte es indes lediglich 768 Rechner. Problem bei dieser Verwendung von Computern und Computernetzwerken als Protestmittel (Hacktivism) laut Kozok: "Finden Sie mal einen Richter, der zig Tausend Leute verhaften lässt." Allein in Frankreich seien vor den zurückliegenden Wahlen 66000 "Kanonen" heruntergeladen worden.

"Wir müssen uns über die Folgen nicht wundern"

Der Referent plädierte mit Nachdruck dafür, Computer bereits vor dem Verkauf mit Sicherheitssoftware auszustatten. Was beim Autokauf mit Airbag und Gurt gang und gäbe sei, müsse auch vor dem Antritt der Reise ins Internet zur Selbstverständlichkeit werden. Kozok: "Wenn wir die Spar- und Spaßgesellschaft weiter so wie bisher vorantreiben, müssen wir uns über die Folgen nicht wundern."

Insgesamt betrachtet mahnte der Oberstleutnant, der in Minden indessen als Privatmann auftrat, bei der Bekämpfung der dunklen Seiten des Internets die Zusammenarbeit von Industrie, Universitäten und Öffentlichem Dienst an. "Die berechtigten rechtlichen Einschränkungen gelten nur für uns, die Gegenseite kennt keine Gesetze." Tipp am Rande an alle Interessierten: Geben Sie einmal "Sie haben das Ende des Internets erreicht" in die Suchmaske ihres Rechners ein.

 

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