Nachschau - Veranstaltung am 27.03.2012

 

Vortragsabend

 zum Thema

„Der internationale Terrorismus –

Ursachen und Hintergründe

Referent:     

Professor Dr. Roland Czada

Universität Osnabrück

am Dienstag, 27. März 2012, 19.00 Uhr
im Lehrsaal der Heeresfliegerwaffenschule,

Schäfer-Kaserne, Bückeburg - Achum

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Pressebericht

vom 31.03.2012

Spirale der Gewalt ist die „größte Gefahr“

In seinem Vortrag verweist der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Roland Czada unter anderem auf den schon seit Jahrzehnten andauernden, örtlich eingrenzbaren Konflikt zwischen Israel und Palästina, der eine Ursache für Terroranschläge auf der ganzen Welt ist. Foto: wk

Bückeburg (wk). Seit Jahren wird in den Medien regelmäßig darüber berichtet, dass sich wieder einmal irgendwo in der Welt ein blutiger Terroranschlag ereignet hat. Hinsichtlich der Täter ist dann häufig von islamistischen Extremisten die Rede. In besonderem Maße ins Gedächtnis eingebrannt hat sich dabei der am 11. September 2001 mit zwei entführten Passagierflugzeugen verübte Anschlag auf das World Trade Center in New York, der rund 3000 unschuldigen Menschen das Leben gekostet hat.

Was sind die Ursachen für solche Gewalttaten? Und kann das Terrorismus-Problem mit militärischen Mitteln gelöst werden? Antworten auf diese und andere Fragen hat der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Roland Czada in seinem Vortrag „Der Internationale Terrorismus – Ursachen und Hintergründe“ gegeben. Zu der sehr gut besuchten Veranstaltung in der Achumer Schäferkaserne hatte die Sektion Minden der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) eingeladen.

„Armut ist keine Ursache für Terrorismus“, stellte Czada klar. Vielmehr entstehe Terrorismus „immer“ aus einem örtlich eingrenzbaren kulturellen oder religiösen („fundamentalen“) Konflikt heraus, „der so tief geht und ungleich ist“, dass von einer der Konfliktparteien schließlich „das Mittel des hinterhältigen Tötens“ gewählt werde. Die Basis sind demnach also stets Wertekonflikte, wobei die Armut zwar ein guter Nährboden für terroristische Ideen sein kann, aber eben nicht der Ausgangspunkt ist. Denn über materielle Ungerechtigkeiten könne man streiten und zu deren Lösung bisweilen ja auch eine einvernehmliche demokratische Einigung erzielen.

Bei diametral auseinander gehenden kulturellen oder religiösen Lebensanschauungen ist laut Czada indes kein solcher Kompromiss möglich. Das übergeordnete Ziel aller terroristischen Anschläge sind somit „bestehende staatliche und gesellschaftliche Ordnungen“. Richten sich die einzelnen Aktivitäten dabei gegen die für das Gewaltmonopol des Staates stehende Polizei oder das Militär, spreche man im Fachjargon von einem „Angriff auf das Herz des Staates“, worauf der angegriffene Staat wiederum mit massiven Gegenreaktionen antworte.

Als die in der Folge „größte Gefahr“ bezeichnete der Referent aber die Entstehung einer „Spirale aus Terrorgewalt und Antiterrorgewalt“, die den ursprünglichen Konflikt immer weiter eskalieren lässt und seitens der Terroristen „Nachahmer“ auf den Plan ruft.

Begünstigt wird die Entstehung von Terrorismus im übrigen durch Faktoren wie ein Gefühl der „politischen Ohnmacht“ (vor allem in Autokratien) und einem leichten Zugang zu Sprengstoff und zu Waffen. „Es sind auch nie die Ärmsten, die eine Revolution wagen, sondern die Avantgarde und die Eliten“, betonte Czada, der an der Universität Osnabrück im Fachbereich Sozialwissenschaften zu den Themen Staat und Innenpolitik lehrt.

Auf seine selbst gestellte Frage, ob man eine weltweit agierende Terrorgruppe wie Al Qaida militärisch besiegen könne, gab er ein klares „Nein“ als Antwort. Dies allein schon vor dem Hintergrund der – von deren extremistischer Ideologie angestachelten – nicht vernetzten Einzeltäter, die als Nachahmer zuschlagen.

Eine mögliche Lösung liegt aus Sicht des Experten – neben politischen Ansätzen – vielmehr darin, den gesellschaftlichen „Dialog“ zu suchen. Wenn auch die Terrorführer schwer zu erreichen sind, könne man zumindest mit den „zornigen jungen Männern“, die den Großteil der Anhänger stellen, in eine Art „indirekten Dialog“ treten, um Abschottungen aufzubrechen und innerhalb der Gesellschaft eine „bestimmte (besänftigende) Stimmung“ zu erzeugen, die sie von ihrer extremistischen Gesinnung abrücken lässt.

Ein „Universalmodell“ im Umgang mit dem internationalen Terrorismus gebe es allerdings nicht. Mit Blick auf die ferne Zukunft war sich der Sozialwissenschaftler jedoch sicher, dass man ein auf einem islamistischen Fundamentalismus basierendes Terrorismusproblem wie Al Qaida in 400 Jahren insofern nicht verstehen könne, da es zwischen Islam und Christentum respektive der westlichen Welt im Prinzip „gar keinen Konflikt“ gebe – genauso wie man heute nicht verstehen könne, warum die Katholiken vor 400 Jahren mit den Protestanten Krieg geführt haben (Stichwort: Dreißigjähriger Krieg).

 

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