Nachschau - Veranstaltung am 22.01.2013

 

Vortragsabend

zum Thema

Ausgegrenzt –

Geschichte der Sinti und Roma

Referentin:

Frau Jasna Causevic

Südosteuropareferentin der

Gesellschaft für bedrohte Völker e.V., Göttingen

am Dienstag, 22. Januar 2013, 19.00 Uhr
im Hotel „Bad Minden“

Portastr. 36, Minden

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Pressebericht

vom 25.01.2013

„Zurückgeschickt in ein menschenunwürdiges Leben“

Jasna Causevic spricht über Geschichte der Sinti und Roma

Bückeburg (mig). „Ausgegrenzt – Geschichte der Sinti und Roma“: Mit einem höchst schwierigen Thema hat sich der jüngste Vortrag der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitsfragen (GfW), Sektion Minden. im Hotel Bad Minden befasst. Jasna Causevic, Südosteuropareferentin der Gesellschaft für bedrohte Völker mit Sitz in Göttingen, sprach über die Situation von „Europas größter Minderheit“ und forderte ein Bleiberecht für die Flüchtlinge aus den Herkunftsstaaten des ehemaligen Jugoslawien.

Der erste Vortrag im neuen Jahr hat es gezeigt: Die GfW-Sektion Minden hat keine Scheu vor heißen Eisen. Erneut bot die Gesellschaft dieser Tage ein Forum für Debatte und Informationsaustausch und macht sich gerade deshalb verdient im demokratischen Meinungsbildungsprozess. Daran, dass etwaige Vorurteile an diesem Abend kaum zur Sprache kamen, hat ganz gewiss auch die Diskussionskultur, die bei der GfW gepflegt wird, ihren Anteil. Die kritischen Einwände nach dem Referat waren jedenfalls erfreulich sachlich gehalten: „Wir können doch nicht für alles aufkommen“, antwortete ein Zuhörer auf den Vorschlag, die Lebensbedingungen der Roma vor Ort zu verbessern.

Der GfW-Sektions-Vorsitzende, Klaus Suchland, führte in einer kurzen Einleitung aus, dass es Vorurteile gegenüber dieser Volksgruppe schon seit vielen Jahrhunderten gegeben hat und weiterhin gibt. „Wenn man meint, sich gegen Rassismus einsetzen zu müssen, muss man sich auch mit den Sinti und Roma befassen“, gab er zu bedenken.

Jasna Causevic leitete ihren Vortrag dann mit einer Definition des Begriffs „Zigeuner“ ein. Diese sei eine Fremdbezeichnung und habe auf jeden Fall einen negativen Beigeschmack („ziehende Gauner“). Inzwischen habe sich für diese Volksgruppe der Begriff „Sinti und Roma“ durchgesetzt, der von den Interessenverbänden der seit Langem in Mitteleuropa ansässigen Roma implementiert wurde und der die Gesamtminderheit der Roma und ihrer Untergruppen bezeichnet. Im Weiteren führte Causevic aus, dass die deutschen Sinti und Roma ihre Identität als die einer deutschen Volksgruppe sehen, ähnlich wie die deutschen Sorben im Osten, die deutschen Dänen in Südschleswig oder die deutschen Friesen im Nordwesten der Republik.

Die Aufgaben der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sieht Causevic vor allem darin, sich für Menschenrechte rund um den Globus einsetzen. „Wir recherchieren die politische Situation in der ganzen Welt und schaffen dann eine Lobby für die Minderheiten“, erläuterte Causevic ihre Arbeit. Man sei aber auf keinem Auge blind und ergreife immer Partei für die Opfer und gegen die Täter. Die nötigen Informationen bekommt die GfbV dabei von Helfern vor Ort „aus erster Hand.“ Engagiert habe sich die GfbV unter anderem für Bosniaken, Kurden, die Bahai und Tschetschenen.

Massiv diskriminiert wird aber auch die Volksgruppe der Roma, etwa in Serbien, wo ganze Siedlungen planiert und ihre Bevölkerung vertrieben werden. Oder im Kosovo, wo Romafamilien immer wieder rassistischer Gewalt ausgesetzt sind. In Ungarn hat eine rechtsextreme Partei sogar zu einem Marsch gegen Roma aufgerufen. Und Zsolt Bayer, ein Freund des Premiers Orban, beschimpfte Roma als „Tiere“ – übrigens, ohne dass sich der Premier jemals davon distanziert hat. In Deutschland setzt sich die GfbV für ein Bleiberecht der Roma aus Südosteuropa ein.

„Herr Schünemann hat viele zurückgeschickt in ein menschenunwürdiges Leben ohne Gesundheitsversorgung oder finanzielle Basis“, so Causevic kopfschüttelnd. Oftmals würden Flüchtlinge schon nach 48 Stunden wieder abgeschoben.

Von der EU erwartet Causevic vor allem mehr Druck auf die Staaten mit einer Roma-Minderheit. „Es müsste eine Monitoring-Ebene geschaffen werden, die die Staaten anweist, wie sie mit der Roma-Bevölkerung zu verfahren hat“. Die EU müsse diese Länder unter Druck setzen, „damit sie ihre Minderheiten gleichberechtigt behandeln und sie gar keinen Bedarf mehr haben ihr Land zu verlassen.“

Die EU dürfe nicht nur mit dem Zeigefinger auf andere Regierungen und Regimes zeigen, sondern müsse endlich daran gehen, ihre eigenen Probleme zu lösen. In Zukunft werde man sich entscheiden müssen, „ob man die Roma wirklich integrieren und so wichtige Arbeitskräfte gewinnen, oder ob man sie weiter auszugrenzen will.“

 

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