Nachschau - Veranstaltung am 22.01.2013

 

Vortragsabend

zum Thema

Ausgegrenzt –

Geschichte der Sinti und Roma

Referentin:

Frau Jasna Causevic

Südosteuropareferentin der

Gesellschaft für bedrohte Völker e.V., Göttingen

am Dienstag, 22. Januar 2013, 19.00 Uhr
im Hotel „Bad Minden“

Portastr. 36, Minden

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Pressebericht

vom 29.01.2013

Bleiberecht für Roma bei Vortrag

in Minden gefordert

Referentin beklagt Abschiebung in "menschenunwürdiges Leben"

 

Minden (mig). "Ausgegrenzt - Geschichte der Sinti und Roma": Mit einem höchst schwierigen Thema beschäftigte sich ein Vortrag der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitsfragen (GfW), Sektion Minden, im Hotel Bad Minden.

Jasna Causevic leitete ihren Vortrag mit einer Definition des Begriffs "Zigeuner" ein.

Foto: Michael Grundmann

Jasna Causevic, Südosteuropareferentin der Gesellschaft für bedrohte Völker mit Sitz in Göttingen, sprach über die Situation von "Europas größter Minderheit" und forderte ein Bleiberecht für die Flüchtlinge aus den Herkunftsstaaten des ehemaligen Jugoslawien.

Der GfW-Sektions-Vorsitzende, Klaus Suchland, sagte in seiner Einleitung aus, dass es Vorurteile gegenüber dieser Volksgruppe schon seit vielen Jahrhunderten gebe. "Wenn man meint, sich gegen Rassismus einsetzen zu müssen, muss man sich auch mit den Sinti und Roma befassen."

Jasna Causevic leitete ihren Vortrag dann mit einer Definition des Begriffs "Zigeuner" ein. Diese sei eine Fremdbezeichnung und habe auf jeden Fall einen negativen Beigeschmack ("ziehende Gauner"). Inzwischen habe sich für diese Volksgruppe der Begriff "Sinti und Roma" durchgesetzt, der von den Interessenverbänden der seit Langem in Mitteleuropa ansässigen Roma implementiert wurde und der die Gesamtminderheit der Roma und ihrer Untergruppen bezeichnet.

Causevic führte aus, dass die deutschen Sinti und Roma ihre Identität als die einer deutschen Volksgruppe sehen, ähnlich wie die deutschen Sorben im Osten, die deutschen Dänen in Südschleswig oder die deutschen Friesen im Nordwesten der Republik. Die Aufgaben der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sieht Causevic vor allem darin, sich für Menschenrechte rund um den Globus einzusetzen.

Eine Lobby für Minderheiten schaffen

"Wir recherchieren die politische Situation in der ganzen Welt und schaffen dann eine Lobby für die Minderheiten." Die nötigen Informationen bekommt die GfbV dabei von Helfern vor Ort "aus erster Hand."

Engagiert habe sich die GfbV unter anderem für Bosniaken, Kurden, die Bahai und Tschetschenen. Massiv diskriminiert werde die Volksgruppe der Roma zum Beispiel in Serbien, wo ganze Siedlungen planiert und die Menschen vertrieben würden. Oder im Kosovo, wo Romafamilien immer wieder rassistischer Gewalt ausgesetzt seien. In Ungarn habe eine rechtsextreme Partei sogar zu einem Marsch gegen Roma aufgerufen. Und Zsolt Bayer, ein Freund des Premiers Orban, haben Roma als "Tiere" beschimpft.

In Deutschland setzt sich die GfbV für ein Bleiberecht der Roma aus Südosteuropa ein. Die Referentin beklagte das Verhalten des niedersächsischen Innenministers. "Herr Schünemann hat viele zurückgeschickt in ein menschenunwürdiges Leben ohne Gesundheitsversorgung oder finanzielle Basis", sagte Causevic kopfschüttelnd. Oftmals würden Flüchtlinge schon nach 48 Stunden wieder abgeschoben.

Von der EU erwartet Causevic vor allem mehr Druck auf die Staaten mit einer Roma-Minderheit. "Es müsste eine Monitoring-Ebene geschaffen werden, die die Staaten anweist, wie sie mit der Roma-Bevölkerung zu verfahren hat". Die EU müsse diese Länder unter Druck setzen, "damit sie ihre Minderheiten gleichberechtigt behandeln und sie gar keinen Bedarf mehr haben, ihr Land zu verlassen."

Die EU dürfe nicht nur mit dem Zeigefinger auf andere Regierungen zeigen, sondern müsse darangehen, ihre eigenen Probleme zu lösen. In Zukunft werde man sich entscheiden müssen, "ob man die Roma wirklich integrieren und so wichtige Arbeitskräfte gewinnen möchte, oder ob man sie weiter auszugrenzen will."

 

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