Nachschau - Veranstaltung am 21.03.2013

 

 

 

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Pressebericht

vom 28.03.2013

Bundeswehr kämpft gegen massiven Ärztemangel

Ranghöchster Mediziner zum Erfahrungsaustausch im Klinikum / "Wir machen gute Einsatzmedizin"/Mindener Soldaten vor Mali-Einsatz

VON STEFAN LYRATH

 

Minden (Ly). Gelbfieber, Malaria, Cholera: 30 Mindener Pioniere, die den französischen Militäreinsatz in Mali (Westafrika) unterstützen, müssen gegen "eine Wundertüte der Infektionskrankheiten" gefeit sein, wie es Dr. Ingo Patschke nennt. "Da ist alles dabei." Meningitis, Dengue-Fieber, Bilharziose.

Im Gespräch: Generaloberstabsarzt Dr. Ingo Patschke (2. von links) mit Klinikumsgeschäftsführer Robert Möller, dem stellvertretenden ärztlichen Direktor Dr. Hansjürgen Piechota, Frederik Kiel, Leiter des Sanitätszentrums Bückeburg, sowie Klaus Suchland, Sektionsleiter der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (von links). | Foto: Stefan Lyrath

Generaloberstabsarzt Ingo Patschke (60), ranghöchster Mediziner der Bundeswehr, ist Inspekteur des Sanitätsdienstes. Auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik nahm er an einem ärztlichen Erfahrungsaustausch im Mindener Johannes-Wesling-Klinikum teil.

Vor wenigen Tagen sind 43 Sanitätssoldaten nach Mali gestartet. In Koulikoro, rund 60 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt, entsteht ein Luftlanderettungszentrum. Insgesamt stellt Deutschland bis zu 330 Soldaten.

Den Schwerpunkt der Unterstützung bildet die Pionierausbildung. Soldaten des schweren Pionierbataillons 130 aus Minden, die in den nächsten Tagen abreisen werden, sollen malische Militärs an Brückengerät und Maschinen ausbilden. Kampfeinsätze sind nicht vorgesehen. Ihre Impfungen haben die Pioniere bereits bekommen. Auch im Ausland werden sie gut versorgt.

"Wir müssen unseren Soldaten bei Erkrankung, Unfall oder Verwundung eine medizinische Versorgung zuteil werden lassen, die im Ergebnis dem fachlichen Standard in Deutschland entspricht", verweist Dr. Patschke ("Wir machen gute Einsatzmedizin") auf die Maxime des Sanitätsdienstes.

Dabei gehe es auch darum, Patienten transportfähig zu machen. Patschke kann sich nur "an ganz wenige Fälle erinnern, wo ein Patient auf dem Transport gestorben ist". Nach Erkenntnissen von Dr. Thomas Harbaum, Oberstarzt beim Kommando Sanitätsdienst in Koblenz, machen Infektionen mit 65 bis 80 Prozent den größten Teil der Behandlungen aus, gefolgt von Verletzungen. Das Ziel sei es, multinationale Behandlungseinrichtungen zu schaffen.

Ebenso wie das zivile Gesundheitswesen hat auch der militärische Sanitätsdienst mit Ärztemangel zu kämpfen. Ein Fünftel der Truppenarztstellen ist nicht besetzt. Obwohl beim Bund etwa 500 Sanitätsoffiziere fehlen, hält Patschke die medizinische Versorgung für gewährleistet. Im Alleingang funktioniert das allerdings nicht mehr. In Minden plädierte der Generaloberstabsarzt für weitere Kooperationen mit zivilen Kliniken und niedergelassenen Ärzten.

Die Bundeswehr selbst hat fünf Krankenhäuser. Ihre Standorte: Berlin, Hamburg, Koblenz, Ulm und Westerstede. In jedem dieser Häuser können auch zivile Patienten behandelt werden. Für Feldlazarette, etwa in Afghanistan, gilt das zum Teil ebenfalls.

Ärzte auf Patrouille mit militärischer Ausbildung

Früher hatte der Sanitätsdienst den Auftrag, Massen zu behandeln. Heute müssen nicht zuletzt 10000 Soldaten im Ausland unterstützt werden, wofür allein 120 Ärzte ständig im Einsatz sind. "Sie müssen einen Notfall sicher beherrschen können", wie Patschke betont. Hinzu kommt: Ärzte, die mit auf Patrouille gehen, brauchen zudem eine spezielle militärische Ausbildung.

Wichtig ist dem Mediziner die Behandlung traumatisierter Soldaten. In Warendorf gibt es ein Zentrum zur Rehabilitation. In diesem Bereich sieht Patschke noch Nachholbedarf.

 

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