Nachschau - Veranstaltung am 20.08.2014

 

 

 

Vortragsabend 

zum Thema

Referent:

  

Foto: SWP, Berlin

Dr. Michael Paul

Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin

am Mittwoch, 20. August 2014, 19.00 Uhr

im Lehrsaal der Heeresfliegerwaffenschule

Schäfer-Kaserne, Bückeburg-Achum

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Pressebericht

vom 29.08.2014

Drache und Adler wetteifern um die Vormachtstellung im Pazifik

Dr. Michael Paul von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin bei seinem Referat in Bückeburg  pr

Bückeburg. Das (noch) friedliche Ringen zwischen China und den USA um Macht und Einfluss insbesondere im Ost- und Südchinesischen Meer wird angesichts der blutigen Konflikte im Nahen Osten und des medizinischen Notstandes in Westafrika kaum zur Kenntnis genommen. Und dennoch bahnt sich eine Entwicklung an, die ein bedrohliches Anspruchsdenken gepaart mit Machtstreben und Machterhalt enthält und in einigen Jahren die geopolitische Lage in der Welt grundlegend verändern kann.

Vor rund 100 Gästen erläuterte Dr. Michael Paul von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Experte für Sicherheitspolitik mit Schwerpunkt Russland und China, die derzeitige Lage in Südostasien. Eingeladen von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik Sektion Minden und der Kreisgruppe Weserbergland des Verbandes der Reservistenkameradschaft Weserbergland forderte der Referent seine Zuhörer mit einer umfassenden Lagebeurteilung und Analyse der beiden Großmächte und mit einem Vergleich der Entwicklungen zwischen 1914 und heute. Nicht unproblematisch und nicht deckungsgleich, wie Paul zugeben musste, aber Analogien könnten Entscheidungsträgern Orientierung bieten und Faktoren identifizieren, die eine konfrontative Situation und deren Eskalation zum Krieg ermöglicht haben. Sie gelte es nun zu vermeiden.

Das aufstrebende China will seinen Wirkungskreis vergrößern, die USA sehen sich als Ordnungsmacht an seiner östlichen Gegenküste. Zwei Weltmächte umkreisen, besser, belauern sich, und erheben Anspruch auf maritime Präsenz und Vormacht.

Die Angst vor dem roten Drachen und der immer wieder wiederholte Anspruch Chinas, beherrschende Seemacht zu werden, beunruhige die kleinen Anrainerstaaten in Südostasien. Die Zeichen von Schwäche im amerikanischen Kräftedispositiv wie Erschöpfung der Streitkräfte in asiatischen Landkriegen exemplarisch Irak, staatliche Überschuldung, die zunehmende Tendenz „driving from behind" werde besorgt registriert.

Die Südchinesische See ist eine Hauptkreuzung des Welthandels. Dort begegnen sich schon heute ein Drittel allen Schiffsverkehrs und mehr als die Hälfte der Welthandelstonnage. Wer den Zugang beherrscht, habe das Sagen, so Dr. Michael Paul. Stellvertretend für das Ringen um diese Ansprüche stünden die Auseinandersetzungen um mehrere Inselketten. Die Senkaku-Inseln sind dafür Synonym. Noch seien die USA militärisch und wirtschaftlich überlegen, aber China rüstet insbesondere bei der Flotte kontinuierlich auf.

Ist ein erneuter Kalter Krieg im Kommen? China wolle den Status quo ohne Krieg erweitern, die USA ihn ohne Krieg bewahren. Wirtschaftlicher Nutzen wie militärische Logik zwingen zu einem spannungsreichen Miteinander.

Insgesamt ein anspruchsvoller Vortrag, der den Zuhörern viel abverlangte und Kenntnisse in Historie und Sicherheitspolitik voraussetzte. red

 

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