Nachschau - Veranstaltung am 19.09.2013

 

 

 

Vortragsabend

zum Thema

Schrumpfen in einer wachsenden Welt –
Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und weltweit

Referent:

Foto: berlin-institut.org

Dipl.-Volkswirt Manuel Slupina

Wiss. Mitarbeiter am Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

am Donnerstag, 19. September 2013, 19.00 Uhr
im Hotel „Holiday Inn“

Lindenstr. 52, 32423 Minden

*****

Pressebericht

vom 12.10.2013

Deutschland vor demografischem Dilemma

Mitarbeiter des Berlin-Instituts sieht Rentenalter auf 69 Jahren ansteigen /

Vortrag bei GfW im Holiday Inn

GfW-Sektionsleiter Klaus Suchland (von links) bedankt sich bei Oliver Gubela und Manuel Slupina. | Foto: hz

"Das Rentenzugangsalter wird sich auf 67, vielleicht sogar 69 Jahre erhöhen", erklärte Manuel Slupina während einer Veranstaltung der Mindener Sektion der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) im Hotel "Holiday Inn". Er fügte, um die Brisanz seiner Aussage zu betonen, hinzu: "Obwohl das jetzt keine Partei so sagen würde."

Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung referierte auf Einladung der GfW zum Thema "Schrumpfen in einer wachsenden Welt - Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und weltweit" und führte das Renteneintrittsalter als eine der "Stellschrauben" an, mit denen der sich abzeichnenden Problematik begegnet werden könnte.

Deutschland stehe, den Ausführungen des Diplom-Volkswirtes zufolge, vor dem Dilemma, zukünftig bei stetig abnehmender Zahl erwerbsfähiger junger Leute immer mehr ältere Mitbürger versorgen zu müssen. "Weil nämlich die Jahrgänge, die jetzt ins Familiengründungsalter kommen, sehr schwach besetzt sind." Es gebe hierzulande auch immer weniger Menschen, die überhaupt Kinder bekommen können. Slupina: "Das zeigt, dass demografische Entwicklungen sehr, sehr träge sind, ein einmal eingeschlagener Pfad ist kaum umzukehren."

Gleichwie erkannte der Referent weitere "Stellschrauben." So müsse dafür Sorge getragen werden, dass "aus erwerbsfähigen Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren auch erwerbstätige Menschen" würden.

Die Erwerbsquote sei, beispielsweise durch Weiterbildung und Gesundheitsprävention, "deutlich ausbaufähig." Was insbesondere auf die zwischen 55 und 64 Jahre alte Personengruppe zutreffe. "Es muss dafür gesorgt werden, dass die Leute länger in Arbeit bleiben können", erläuterte der GfW-Gast, der zudem bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen weitere Abfederungspotenziale ausmachte.

Slupina prognostizierte den Rückgang der Zahl der Menschen im Ausbildungsalter (zwischen 15 und 24 Jahren) von momentan neun über 7,1 (2030) auf 6,5 Millionen (2050). Gegenwärtig seien in Deutschland 16,9 Millionen Personen 65 Jahre oder älter. Diese Zahl werde sich anno 2050 auf mehr als 23 Millionen belaufen.

Slupinas Auffassung gemäß werden die Altersverschiebungen eine umfangreiche Bevölkerungswanderung nach sich ziehen. "Die urbanen Zentren werden wachsen, während der ländliche Raum an Zuwachs verlieren wird." Folgen für die ländlichen Regionen: "Hier werden Infrastrukturen zurückgebaut, Versorgungseinrichtungen verlieren ihre Tragfähigkeit." Wenn die Busse nur noch zweimal am Tag führen, der letzte Lebensmittelladen schließe oder die letzte Schule dicht mache, "dann überlegen sich Familien zweimal, ob sie sich dort ansiedeln wollen."

Oliver Gubela, der die Thematik aus Sicht des Kreises Minden/Lübbecke betrachtete, berichtete, dass hier mit einem Bevölkerungsrückgang von derzeit 311000 auf 297 000 im Jahr 2020 kalkuliert werde. Um den Veränderungen entgegenzuwirken, bestünden mehrere Handlungsoptionen: verstärkte interkommunale Kooperation bei Schulen, Verwaltung und Pflege; Konzentration von Angeboten wie etwa Arztzentren; Entwicklung von Reserven zur Versorgung der Unternehmen mit Fachkräften; Rückbau und Anpassung der Infrastruktur sowie Herausarbeitung regionaler Besonderheiten.

 

Oben                                                                                                                                                                    Zurück

Unsere Partner: