Nachschau - Veranstaltung am 17.07.2014

 

 

 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

Referent:

Professor Dr. Michael Sommer

Universität Oldenburg

am Donnerstag, 17. Juli 2014, 19.00 Uhr

Portastr. 36, 32429 Minden

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Pressebericht

vom 25.07.2014

„Attentate in der Weltgeschichte" Thema von Michael Sommer

Von Michael Grundmeier

Bückeburg/Minden. „Attentate in der Weltgeschichte - was haben sie bewirkt?" lautete das Thema des jüngsten Vortrags der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) Sektion Minden. Prof. Dr. Michael Sommer von der Uni Oldenburg nahm unter anderem die Anschläge auf Franz Ferdinand, Adolf Hiller und Caesar in den Blick. Wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn der Kreis um Staufenberg Erfolg gehabt hätte? Wenn die Bombe explodiert und Adolf Hitler gestorben wäre? Eine Frage, die sich aus heutiger Sicht nur schwer beziehungsweise gar nicht beantworten lässt, wie Michael Sommer im Hotel Bad Minden ausführte. „Das Phänomen der Kontingenz macht das unmöglich", so Sommer vor rund 60 Zuhörern. „Ein Attentäter kann zwar die Welt verändern, aber was passiert, wenn man die Kugel abgefeuert hat, entzieht sich seiner Kontrolle." Das erstaunliche Fazit: In 75 Prozent der Fälle erreiche der politische Mörder das genaue Gegenteil von dem, was er eigentlich bezweckt habe. Attentate, so Sommer, ließen sich nicht über die eigentliche Tat hinausplanen. Aber gilt das auch für den militärischen Widerstand um Staufenberg? Sommer ist sich da nicht sicher und fragt, ob der Kreis sein Ziel nicht zumindest teilweise erreicht habe. „Sie haben zwar das Morden nicht beenden können, sie haben aber ein Zeichen setzen wollen und auch gesetzt. Sie haben uns gezeigt, dass es auch ein anderes Deutschland gibt." Obwohl das Attentat kurzfristig gescheitert ist, sei es auf lange Sicht doch erfolgreich gewesen. Eine „Singularität", so Sommer und ein Chiasmus, der sonst meist andersherum zur Geltung kommt (kurzfristiger Erfolg, aber Scheitern auf lange Sicht), Ein Beispiel, sagt der Historiker, sei das Attentat auf Caesar, das zunächst erfolgreich verlaufen ist, dann aber (für die Attentäter) schlecht ausging. Bis auf den Tod des Tyrannen hätten die Attentäter keines ihrer Ziele erreicht, es habe keine Wiederherstellung der Republik und keine Freiheit gegeben. Tatsächlich sei sogar das Gegenteil der Fall gewesen: „Man kann sogar sagen, dass die Attentäter die lange Reihe der Kaiser erst möglich gemacht haben. Die Attentäter haben Rom von der Herrschaft eines Mannes befreien wollen, der seine Macht nicht legitimieren konnte, damit aber erst den Weg freigemacht für 500 Jahre Kaisertum." Ein weiteres Beispiel für die hier beschriebene Kontingenz sieht Sommer in dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand. „Man könnte zwar sagen, dass Gavrilo Princip mit dem maßgeblich von Serbien dominiertem Jugoslawien sein Ziel erreicht hat. Ich gehe aber davon aus, dass er das ganze Sterben, auch seines eigenen Volkes, im Ersten Weltkrieg nicht wollte."

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