Nachschau - Veranstaltung am 11.04.2013

 

 

 

Vortragsabend

zum Thema

Auge um Auge, Zahn um Zahn?

Wann gibt es Frieden

zwischen Palästina und Israel?

Referent:

Foto: palaestina.org

Salah Abdel Shafi

Botschafter der Diplomatischen Mission Palästinas, Berlin

Am Donnerstag, 11. April 2013, 19.00 Uhr
im Hotel "Holiday Inn"

 Minden

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Pressebericht

vom 15.04.2013

Widerspruch für das, was er nicht sagt

Palästinensischer Botschafter Salah Abdel Shafi spricht in Minden / Hamas, Siedlungspolitik und Wasserkonflikt

VON STEFAN LYRATH

Minden (Ly). Salah Abdel Shafi, der Botschafter Palästinas in Deutschland, ist eloquent und weltmännisch. Studiert hat er in Berlin und Harvard. Viel Zustimmung bekommt der Diplomat an diesem Abend, seltener Kritik. Widerspruch erregt eher das, was er nicht sagt.

Nicht immer einer Meinung: Botschafter Salah Abdel Shafi (l.) und Klaus Suchland, Sektionsleiter der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik. | Foto: Stefan Lyrath

"Ich hätte mir noch eine Distanzierung von der Hamas gewünscht", sagt Klaus Suchland, Mindener Sektionsleiter der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), die Salah Abdel Shafi eingeladen hat, nachdem im März der israelische Botschafter zu Gast war.

Auf die Frage aus dem Publikum, ob die Hamas Israel anerkennen werde, hatte Exzellenz zuvor geantwortet: "Das ist nicht erforderlich. Was zählt, sind Regierungen. Die Hamas ist eine Partei." Die Bezeichnung "politische Partei", so Suchland, sei "vielleicht etwas überzogen".

Verstreichen lässt der Botschafter die Gelegenheit, sich von der Organisation zu distanzieren. Auf das Konto der Hamas gehen Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen, Selbstmordattentate und weitere Anschläge. Auf der anderen Seite genießt die Organisation in großen Teilen der palästinensischen Bevölkerung hohes Ansehen für ihre soziale Ader, weil sie Wohltaten verteilt. Dennoch: Zumindest von den meisten westlichen Staaten wird die Hamas als terroristische Vereinigung eingestuft.

Übertrieben diplomatisch ist Abdel Shafi nicht, denn er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er israelische Siedlungspolitik oder den Wasserkonflikt anprangert, zugleich die "Tatenlosigkeit der Welt" beklagt. "Seit Beginn des Friedensprozesses vor 20 Jahren hat sich die Zahl der illegalen Siedlungen mehr als verdoppelt", erklärt er. "Und wir werden nicht mit Israel darüber verhandeln, ob diese Gebiete uns gehören." Gemeint sind Siedlungen im Westjordanland und Ost-Jerusalem.

Verhandelt, so Abdel Shafi, werde über Wasserrechte, die Rückkehr von Flüchtlingen oder das Ende der Besatzung. Vor zehn Jahren hatte Israel im Westjordanland mit dem Bau von Sperranlagen begonnen, nach eigenen Angaben zum Schutz vor weiteren Anschlägen. "Das eigentliche Ziel dieses Mauerbaus, der tief in palästinensisches Territorium schneidet, ist Landnahme und die Kontrolle von Wasser", meint Palästinas Botschafter. "Darunter befindet sich das größte unterirdische Wasserreservoir."

Der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser liege in Israel bei 280 Litern, "weit über dem europäischen Durchschnitt". Erforderlich seien 80 Liter. "Für uns Palästinenser stehen 15 Liter zur Verfügung." Siedlungen, Besatzung, Wasser: Aus Sicht Abdel Shafis werde Israel behandelt, als sei es ein Staat über dem Gesetz. "Ich habe keine andere Erklärung für dieses Phänomen."

Wenn Israel sich weiter weigere, seine Besatzung zu beenden und die Rechte Palästinas anzuerkennen, werde es nicht zur Zwei-Staaten Lösung kommen, sondern zu einem Apartheidsstaat, "in dem eine Minderheit die Mehrheit kontrolliert". Die Infrastruktur dafür existiere bereits: "Es gibt Straßen, die nur von Israelis befahren werden dürfen. Und es gibt zwei juristische Systeme für Juden und Palästinenser." Versöhnung werde nur auf Augenhöhe möglich sein. "Aber Israel hat nicht einmal das Selbstbestimmungsrecht Palästinas anerkannt. Wir möchten ein Leben in Würde und Freiheit."

Nachdem er Abdel Shafi eingeladen hatte, musste sich Klaus Suchland vorwerfen lassen, er sei Antisemit, judenfeindlich also. "Das finde ich schon mehr als schlimm", sagt der GfW-Sektionsleiter. Doch es ficht ihn nicht an. "Wir wollen beide Seiten hören."

 

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