Nachschau - Veranstaltung am 14.05.2014

                                                                   

 

Hans-Jochen Schmidt   

 Botschafter a.D.

am Mittwoch, 14. Mai 2014, 19:30 Uhr 

im Rathaussaal Lippstadt

Lange Str. 4, 59555 Lippstadt

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Pressebericht

vom 18.05.2014

 

Ex-Botschafter Hans-Jochen Schmidt (r.) bezeichnete es als größten Fehler des Westens in der Vergangenheit, die Ukraine in die Nato einbinden zu wollen. Zu den Zuhörern zählten Dr. Olav Freund (GfW), Ralf Wachsmuth (Adenauer-Stiftung) und Ingolf Parl (GfW, v.r.).   Foto: Brode

LIPPSTADT (LB) - „Russland auf Kurs - die Europäische Union ratlos und blamiert?“ Dieser Frage ging Ex-Botschafter Hans-Jochen Schmidt bei einer Vortragsveranstaltung nach, die von der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Reservistenkameradschaft Lippstadt veranstaltet wurde.

Schmidt erwies sich als profunder Kenner der aktuellen Lage - seine diplomatische Tätigkeit als Gesandter, Generalkonsul und Botschafter hatte ihn unter anderem nach Russland, die Ukraine, Weißrussland sowie Kasachstan und Armenien geführt. So konnte er seinen Zuhörern persönliche Eindrücke und Einschätzungen vermitteln, die nicht immer mit der Medienberichterstattung konform gingen, wie er es formulierte.

In seinem Rückblick auf die Zeiten der Sowjetunion und den gewaltigen Umbruch, den er sich nach seinen eigenen Worten vorher niemals habe vorstellen können, beleuchtete Schmidt auch die „wilden Jelzin-Jahre“ und die anschließende Putin-Ära bis heute. Dabei ging er auch auf die Situation in Weißrussland sowie die sozialen Spannungen auf der Krim ein.

So gesehen erwies sich Hans-Jochen Schmidt unter Berücksichtigung der geschichtlichen Vergangenheit auch als „Russland-Versteher“. Seit der „orangenen Revolution 2004“ habe sich insbesondere auf dem industriellen Sektor so manches getan, erläuterte der Referent.

Gleichwohl befinde sich die Ukraine, insbesondere im Hinblick auf die geplanten Präsidentschaftswahlen am 25. Mai, in einer außergewöhnlich problematischen Situation. Es sei schwierig, hier eine Prognose abzugeben, sagte der ehemalige Botschafter, der nach eigenem Bekundungen kein Freund von Sanktionen des Westens ist. „Damit kann man bei Putin keinen Eindruck schinden“, so Schmidt wörtlich. Und: „So wie Steinmeier sollte man nicht reagieren!“

Als größten Fehler des Westens in der Vergangenheit bezeichnete Schmidt das Ansinnen, die Ukraine in die Nato einzubinden. Viel wichtiger sei die Anbindung an die Europäische Union. Angesichts des Rubelverfalls, der Kapitalflucht und des fehlenden Wirtschaftswachstums in Russland dürfte es, so der Referent, für Putin immer schwieriger werden, für geeignete Lebenssituationen und Wohlstand zu sorgen. Insofern bezweifelte Schmidt Putins doppelzüngige Aussagen.

Auf die Frage eines Zuhörers, ob eine Einigung der Konfliktparteien in der Ukraine denkbar sei, strich Ralf Wachsmuth, Osteuropa-Experte der Konrad-Adenauer-Stiftung, die kulturellen und religiösen Unterschiede zwischen West- und Ost-Ukraine heraus. Der Westen sei liberaler, der Osten sei radikaler und fühle sich benachteiligt. Hier gelte es, manche Ressentiments abzubauen.

Lesen Sie auch das Zeitungsinterview mit Botschafter a.D. Schmidt zum Thema

 

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