Geraubte Jugend – Kindheit in Afrika
Vortrag am 17.01.2012
Referent:

Oberst a.D. Klaus Suchland
Sektionsleiter Minden
Sektionseigener Bericht
Als stellvertretender
Vorsitzender des Vereins „Die Bundeswehr hilft Kindern in der 3. Welt“
ist Oberst a.D. Suchland mit den Verhältnissen in Afrika bestens
vertraut – ohne sich jedoch als Experte zu bezeichnen. „Sich als
Experte für einen derart vielschichtigen Kontinent mit inzwischen 54
Staaten und zahllosen Problemen darzustellen ist unmöglich“, stellte
der Referent gleich zu Beginn klar.
Afrika ist der Kontinent mit der höchsten Kindersterblichkeit. 20% der
Neugeborenen erreichen das 5. Lebensjahr nicht. Die Vergleichszahl für
Deutschland lautet: 0,4%.
Einem sehr geringen
Anteil am Weltsozialprodukt steht ein gewaltiges, ständig steigendes
Wachstum der Bevölkerung gegenüber. Pro Jahr wächst die Bevölkerung
Afrikas um 24 Millionen – das entspricht der Gesamtbevölkerung
Australiens.
Einige Zahlen (in
Klammern die Vergleichszahlen für Deutschland):
- Das Durchschnittsalter beträgt 19
Lebensjahre (D 44,2),
- die Lebenserwartung liegt bei 53
Jahren (D 79),
- die Kinderzahl pro Frau beträgt 4,7
(D 1,3).
Auf Grund der
Klimaverhältnisse, die sich mit dem Klimawandel verschärfen, und der
vielfältigen Konflikte und kriegerischen Auseinandersetzungen sind in
Afrika ständig 84 Millionen Menschen auf der Suche nach besseren
Lebensbedingungen unterwegs.
Mangels anderer
Perspektiven werden viele Kinder zu Soldaten, wobei zu berücksichtigen
ist, dass männliche Personen in Afrika bereits mit einsetzender
Pubertät zwischen 12 und 15 Jahren als volljährig gelten und damit
nicht mehr als Kinder- sondern als erwachsene Soldaten betrachtet
werden.
Krankheiten, an erster
Stelle ist Aids zu nennen, sind eine weitere Geißel des afrikanischen
Kontinents. Von weltweit 2,8 Millionen Aidstoten entfallen knapp 2,1
Millionen auf Afrika. Besonders betroffen sind die Kinder durch den
Verlust der Eltern. In Afrika gibt es ca. 25 Millionen Aids-Waisen.
In den Genuss einer
Schulbildung kommen in Zentralafrika weit weniger als 50% der Kinder,
und auch deren Lehrer sterben zahlreich an Aids. Besser sieht es in
den nord- und südafrikanischen Staaten mit bis zu 85% aus.
Afrika hat weltweit die
jüngsten Mütter. In den Problemzonen (Subsahara - ohne Nord- und
Südafrika) kommen 121 Geburten auf 1000 Frauen im Alter von 15 bis 19
Jahren. Dass zunehmend die traditionellen Stammeskulturen wegbrechen
und die starke gesellschaftliche Rolle der Frau abnimmt, verschärft
das Problem.
Hier zitierte der
Referent ein altes afrikanisches Sprichwort: „Erziehe einen Jungen und
Du erziehst einen Mann – erziehe ein Mädchen und Du erziehst ein
Dorf.“
Der weltweite
Armutsindex besagt, dass in Afrika der überwiegende Teil der
Bevölkerung nur 1 bis 2 Dollar pro Tag zur Verfügung hat. Damit ist
Kinderarbeit unverzichtbar.
Trotz der
schlagwortartigen Darstellung, die durch die Fülle der Probleme
vorgegeben war, hinterließ der Vortag doch großen Eindruck bei den
Zuhörern. Leider konnte Oberst a.D. Suchland uns mit keiner
optimistischen Perspektive nach Hause entlassen. Der afrikanische
Kontinent braucht Hilfe, auch der vielzitierte „Tropfen auf den heißen
Stein“ hilft einigen Kindern zu überleben.
Der Referent schloss mit
einem Zitat unseres ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler:
„Für mich entscheidet
sich die Menschlichkeit unserer Welt am Schicksal Afrikas.
Ist es nicht eine Frage
der Selbstachtung Europas, sich im Hinblick auf unsere eigenen
Fundamente, unsere Werte und Geschichte in Afrika ehrlich und
großzügig zu engagieren?“
Burkhard Popien