Nachschau - Veranstaltung am 16.06.2011

 

Vortragsabend

zum Thema

Aktuelle Entwicklungen in der arabischen Welt

und ihre Auswirkungen auf unsere Sicherheit

Referent:

Dr. Kinan Jaeger

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn

am Donnerstag, 16. Juni 2011, 19.30 Uhr

im Schützenhaus

der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lechenich e.V.

in Erftstadt-Lechenich

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Sektionseigener Bericht

 Aufbegehren der Facebook-Generation

Die Sektion bot ihren Mitgliedern und Freunden einen Vortrag von höchster Aktualität sogar aktueller als der Kölner Stadtanzeiger, der sich einen Tag nach unserem Vortragsabend mit seinem außenpolitischen Leitartikel über Syrien und seine Nachbarn Viele Feinde, wenig Freunde ebenfalls mit dieser Thematik befasste.

Der Referent vermittelte zunächst einige Grundlagen zu den vom Arabischen Frühling betroffenen Ländern. Hierbei stellte er dar, dass sie über eine sehr junge Bevölkerung verfügen, die im Gegensatz zu meist sehr alten, langjährig an der Macht befindlichen Despoten steht.

Die Jugend ist meist trotz guter Ausbildung ohne Perspektive. Das Geld fließt in die Taschen der Regierungsclans, während die Bevölkerung wirtschaftlich unterprivilegiert ist. Demokratische Staatsformen gibt es kaum, die Korruption ist hoch, die Währungen sind nichts wert und Pressefreiheit meist nicht vorhanden. Die Intelligenz verlässt die betroffenen Länder, die entsprechend ausbluten.

Diese Gründe haben zum Aufbegehren der Facebook-Generation geführt.

Völlig unklar ist, wie sich die Situation entwickeln wird, denn meist fehlen die Alternativen zu den Herrschenden. Werden diese gestürzt, kann es zu Machtkämpfen kommen, die zu unbeherrschbaren und blutigeren Konflikten als in der derzeitigen Situation führen können.

Diese Problematik verdeutlichte Dr. Jaeger am Beispiel seines Geburtslandes Syrien. 75% der dortigen Bevölkerung sind Sunniten. Die Macht liegt jedoch in Händen der Alewiten, die nur 6% ausmachen. Diesen gehört der Präsident, Baschar al-Assad, an sowie die Führungen von Verwaltung und Militär. Den Präsidenten durch das Militär zu entmachten würde folglich keine Änderung herbeiführen. Eine grundlegende Revolution, die die Herrschaft der Alewiten beseitigt, würde zum Herrschaftsanspruch der Sunniten und damit zu unkalkulierbaren Risiken führen. Man mag also zu Assad stehen wie man will er und sein Regime stellen einen Stabilitätsfaktor in der Region dar. Das sieht Israel übrigens sehr deutlich.

Für das westliche Europa und Amerika sind die Unruhen um das Mittelmeer höchst problematisch: nicht einzugreifen bedeutet, den Zugriff auf die dortigen Rohstoffe Russland und China zu überlassen. Wird die Türkei in die Konflikte einbezogen, steht die NATO in der Bündnispflicht. Die Flüchtlingsbewegungen aus den betroffenen Staaten zielen nach Europa.

Das alles bedeutet, dass der Westen diesen Entwicklungen nicht  untätig zusehen kann. Die Problematik ist allerdings, mit wem man paktieren kann mit den aktuellen Diktatoren oder mit den Aufständischen, bei denen sich bisher kaum entsprechende Führungspersönlichkeiten profiliert haben.

Dem Vortrag schloss sich eine engagierte Diskussion an, in der allerdings – wie auch nicht zu erwarten – der Stein des Weisen zur Lösung der Probleme um den Arabischen Frühling auch nicht gefunden wurde.

Burkhard Popien 

 

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