Nachschau - Veranstaltung am 12.06.2014

 

 

Referent:

Jürgen Pöppelmann

Journalist

am Donnerstag, 12. Juni 2014, 19.30 Uhr

im Schützenhaus

der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lechenich e.V.

Heinrich-Zimmermann-Weg,

 Erftstadt-Lechenich

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Sektionseigener Bericht

 

Die Ukraine war in unserer Sektion bereits zweimal Thema: im November 2012 sprach  Dr. Thomas Beck über seine Erfahrungen als Wahlbeobachter („Die Ukraine zwischen Russland und der EU“), und im Januar 2011 hatte der Sektionsleiter Düsseldorf,  Ralph W. Göhlert, von seinen Erfahrungen als Geschäftsreisender über die neuen Länder der ehemaligen Sowjetunion mit Schwerpunkt Ukraine berichtet.

Die aktuelle Entwicklung war Anlass, die Ukraine kurzfristig erneut zum Thema zu machen, und der gute Besuch – trotz sommerlichen Wetters und der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft – zeigte, dass diese Entscheidung richtig war.

Der Referent rief uns zunächst Topografie, Geschichte und Wirtschaftsverhältnisse des Landes in Erinnerung.

Danach schilderte er Ablauf und Hintergründe der Annexion der Krim. Besonders hob er die enorme militärische und wirtschaftliche Bedeutung der Krim für Russland hervor. Hier befindet sich eine Konzentration von militärischen und industriellen Anlagen, die für Russland unverzichtbar sind.

Die schon zu Sowjetzeiten strategische Bedeutung gegenüber der NATO wurde durch die Annexion wieder hergestellt. Hierbei wurden auch die ukrainische Flotte und die Kampfflugzeuge von Russland „übernommen“. Zahlreiche rüstungswichtige Betriebe – Waffenfabriken, Hersteller von Optiken und Zielgeräten, Fallschirmfabriken – fielen ebenfalls an Russland.

Während die Weltöffentlichkeit noch gebannt die Entwicklung auf der Krim verfolgte, ging es an der Ostgrenze der Ukraine zunächst fast unbemerkt weiter: die dortigen Randgebiete mit einem relativ hohen russischen Bevölkerungsanteil betreiben mit Unterstützung russischer Infiltrationskräfte ihre Loslösung von der Ukraine. Nach von Separatisten organisierten Abstimmungen wurden die „Volksrepubliken“ Lugansk und Donezk ausgerufen, die nach dem Muster der Krim ihren Anschluss an den russischen Staat anstreben.

Nach Einschätzung des Referenten wird die Ukraine kaum in der Lage sein, diese Provinzen zu halten.

Diese asymmetrische Politik Putins zeigt auch in anderen Gebieten Wirkung:  in Odessa haben Bestrebungen, sich Russland anzuschließen, begonnen. In Moldawien schwelt der Transnistrien-Konflikt, der zu einer faktischen Unabhängigkeit Transnistriens geführt hat. Im Kaukasus leben etwa 50 Völker mit unterschiedlichsten Interessen. Georgien ist ebenfalls ein multiethnisches Land an der Nahtstelle Eurasiens, durch das die wichtige Erdölpipeline zum Schwarzen Meer verläuft. Auch Armenien ist als Binnenstaat im Kaukasus mit Russland freundlicher Politik durchaus als Unruheherd anzusehen.

Ein Ende des Putinschen Machtstrebens ist nicht abzusehen. Seine Bestrebungen zur politischen Weltmachtbedeutung und territorialen Größe der Sowjetunion zurückzukehren, werden weitergehen. Die Gefahr von Konflikten an der Grenze zur NATO wächst hierdurch.

Deshalb zeigt die NATO durch Luftaufklärung über Polen und den Baltischen Staaten Präsenz, ebenso durch Marineeinsatz im Schwarzen Meer.

Dem hochaktuellen von einer überzeugenden Power Point Präsentation unterstützten Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an, bevor der Sektionsleiter die Veranstaltung rechtzeitig zum  Eröffnungsspiel der Fußball WM beendete.

Burkhard Popien

Sektionsleiter

 

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