Nachschau - Veranstaltung am 11.11.2010

Vortragsabend

zum Thema

Warum denke ich deutsch, aber fühle es nicht?

Referentin:

Frau Dr. Askim Müller-Bozkurt

Politikwissenschaftlerin

GfW-Sektionsleiterin Köln

am Donnerstag, 11. November 2010, 19.30 Uhr

im Schützenheim

der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lechenich e.V.

in Erftstadt - Lechenich

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Sektionseigener Bericht

„Warum denke ich deutsch, aber fühle es nicht?“

Während der Berlinreise der Sektion vor 3 Wochen waren zum Thema „Integration“ beim Besuch im Innenministerium doch viel Fragen unbeantwortet geblieben.

War es diese Tatsache oder die große Aktualität des Themas – trotz des im Rheinischen höchst bedeutungsvollen Karnevalsauftaktes war die Veranstaltung gut besucht – und die Zuhörer wurden nicht enttäuscht, denn die Referentin Frau Dr. Müller-Bozkurt, Sektionsleiterin der Nachbarsektion Köln, verstand es mit ihrem einfühlsamen und sehr persönlichen Vortrag, das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

Sie spannte den Bogen von ihren Kindheitserinnerungen an den Geruch von Fladenbrot und Erzählungen ihrer Großmutter bis zu ihrer Wahl in den Stadtrat ihres Wohnortes Kerpen. Ihre Erfahrungen als türkischstämmige Deutsche während des Studiums und im Berufsleben schilderte sie grundsätzlich positiv, auch wenn so manche Ernüchterung nicht ausblieb.

Ihre Zeit als Integrationsberaterin bei der Bundeswehr fasste sie mit den Worten zusammen: „Ich kam als Deutsche rein und ging als Türkin raus.“ Nicht zuletzt auf Grund dieser Erfahrung wandte sie sich engagiert gegen Vorurteile und Kategorisierung von Menschen.

Ihre zutiefst humanistische Lebenseinstellung spiegelte sich im gesamten Vortrag wider, was auch ihr Selbstportrait ausdrückt: „Ich bin eine anatolische Deutsche, eine deutsche Türkin, eine alevitische Anatolin, eine deutsche Alevitin, was auch immer! Entscheidend ist, dass ich ein Mensch bin, der versucht, Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zu bauen und die Vielfältigkeit der deutschen Gesellschaft zu verteidigen“.

In ihre sehr persönlichen Schilderungen flocht die Referentin immer wieder geschickt wissenschaftliche Grundsätze und Erkenntnisse ein.

Die anschließende Diskussion befasste sich mehr mit den grundsätzlichen Fragen der Integration. Hier verstand sie es souverän, sachliches und fundiertes Wissen zu vermitteln. Auch auf mitunter emotionsgesteuerte Beiträge reagierte sie erfreulich klar, aber stets verbindlich.

Das Urteil der Teilnehmer dieser letzten Vortragsveranstaltung im Jahr war einhellig: ein bereichernder Abend, der sehr zu weiterem Nachdenken anregt.

Kurzvita der Referentin:

Frau Dr. Askim Müller-Bozkurt wurde 1966 in Kayseri, Türkei geboren. Seit frühester Kindheit lebt sie in Deutschland. Nach dem Abitur 1987 studierte sie Politikwissenschaften, Geschichte und Soziologie an der Universität Stuttgart; 1997 Promotion Dr. rer. pol. mit summa cum laude. Sie ist als freiberufliche Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Bei der Bundeswehr war sie interkulturelle Beraterin. Seit 2009 ist sie Ratsmitglied in Kerpen. Sie leitet die GfW-Sektion Köln.

Burkhard Popien

 

Weiterführender Link:

Lagebericht 2008 - 2010 der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration

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