Nachschau - Veranstaltung am 10.05.2012

 

 

Vortragsabend

zum Thema

Die Volksrepublik China –

eine Gefahr für die globale Sicherheit?

Referent:

 

Dr. Thomas Wiegand

Freiberuflicher Dozent

am Donnerstag, 10. Mai 2012, 19.30 Uhr

im Schützenhaus

der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lechenich e.V.

Heinrich-Zimmermann-Weg,

 Erftstadt-Lechenich

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Sektionseigener Bericht

Die Volksrepublik China –

eine Gefahr für die globale Sicherheit?

Das Chinabild, besonders das der Generation „Ü70“ ist stark von amerikanischer Propaganda der Nachkriegsjahre geprägt, wonach China gemeinsam mit dem kommunistischen Bruderstaat Sowjetunion eine Gefahr für den Weltfrieden darstellt. Dass jedoch die Sowjetunion und China durchaus nicht in Freundschaft und erst recht nicht in Waffenbrüderschaft miteinander verbunden waren, zeichnete sich bereits früher deutlich ab und wird jetzt besonders nach Zugang zu den ehemals sowjetischen Archiven bestätigt.

Seit Gründung  der VR China 1949 hat die Führung in Beijing mehrere Mal eine grundlegende Neuorientierung ihrer  gesamten Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik vorgenommen.

In den 1950er Jahren war das Land ein enger Verbündeter der Sowjetunion, weil nur Moskau Beijing den erforderlichen militärischen Schutz vor den Vereinigten Staaten gewähren und die für den wirtschaftlichen Aufbau erforderliche Hilfe leisten konnte.

Der Tiefpunkt der chinesisch – amerikanischen Beziehungen war der Koreakrieg, den die Chinesen führten, um eine Invasion amerikanischer Streitkräfte auf ihr Territorium zu verhindern.

Im Lauf der späten 1950er und der 1960er Jahre kam es zum Bruch mit der UdSSR, der das Verhältnis der beiden kommunistischen Großmächte so verschlechterte, dass 1969 die Gefahr eines chinesisch-sowjetischen Atomkriegs bestand.

In dieser Situation  entschloss sich die chinesische Führung unter Mao Zedong, mit den USA zu kooperieren.

Von ca. 1972 an bis 1991 bestand eine enge informelle Zusammenarbeit zwischen Beijing und Washington, weil für beide Staaten die Sowjetunion der militärische Gegner war.

Das Jahr 1978 markiert den Beginn der umfassenden Wirtschaftsreformen in China, weil die Führung in Beijing unter der Führung von Deng Xiaoping erkannte, dass eine Fortsetzung der unter Mao verfolgten Wirtschaftspolitik das Land in den Ruin treiben und die KPCH die politische Macht kosten würde.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion aus wirtschaftlichen Gründen 1991befreite die VR China von ihrem größten militärischen Feind, beendete aber auch die Zusammenarbeit mit den USA. An die Stelle der Kooperation trat die Konkurrenz.

Drei Problemfelder belasten die Beziehungen zwischen Washington und Beijing im besonderen Maß:

· Die unterschiedlichen politischen Systeme.

· Die Taiwan Frage

· Das überragende Interesse beider Staaten an einer gesicherten

   Rohstoffversorgung.

Hochrangige chinesische Politiker und Militärs unterstellen den USA, dass diese eine Strategie verfolgt, die verhindern soll, dass China zu einer ebenbürtigen Supermacht aufsteigt. In der Tat beobachtet Washington die chinesische Politik mit Misstrauen.

Menschenrechtsverletzungen sowie die Behandlung ethnischer und religiöser Minderheiten in China verstärken das Misstrauen der USA. Auf der anderen Seite werfen chinesische Verantwortliche den USA, nicht zu Unrecht, Heuchelei vor.  Tatsächlich unterstützen die USA proamerikanische Diktaturen in der ganzen Welt.

Die USA haben unter George W. Bush den Versuch unternommen, die Öl – und Gasressourcen im gesamten Mittleren Osten unter ihre Kontrolle zu bringen. Aus einem Geheimpapier des Pentagons, welches 1992 von der NY-Times veröffentlicht wurde, geht hervor, dass Washington den Aufstieg eines jeden Staates zu einer Hegemonialmacht in einer bestimmten Region verhindern muss.

Alles in allem verfolgt die VR China eine defensive Außen– und Sicherheitspolitik  deren primäres Ziel es ist, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes zu stärken, um seinen Zusammenbruch zu verhindern. Die Bereitstellung von Ressourcen für sein riesiges Volk ist das Hauptziel Chinesischer Politik. Da der weltweite Rohstoffhandel in US-Dollar abgewickelt wird, benötigt China zum Rohstoffkauf Dollars, die nur über den Export von Waren in die USA zu bekommen sind. Die Wirtschaftspolitik Chinas hat damit nicht, wie häufig kolportiert, in erster Linie aggressive Motive gegen die USA, sondern dient dem Erwerb der für die chinesische Wirtschaft lebensnotwendigen Währung.

Der eigenen Rohstoffversorgung dient auch das starke chinesische Engagement in fast allen Rohstoff produzierenden Ländern durch technische und wissenschaftliche Unterstützung.

Eine offensive Expansionspolitik wird von der Führung des Landes nicht vertreten.

Damit ist die Frage, ob China eine Gefahr für den Weltfrieden darstellt, eindeutig mit „nein“ zu beantworten.

Diesem sehr interessanten, lehrreichen Vortrag schlossen sich einige ergänzende Fragen an, die Dr. Wiegand ausführlich beantwortete.

(Text erstellt an Hand des Thesenpapiers von Dr. Wiegand zum Vortrag)

 Burkhard Popien

 Sektionsleiter

 

Foto: B. Popien

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