Nachschau - Veranstaltung am 16.11.2010

 

 

Vortragsabend

zum Thema

Die neuen Länder der ehemaligen Sowjetunion

im Spannungsfeld zwischen

Russland, der EU und USA

- Erfahrungsbericht eines Geschäftsreisenden –

Referent:

Hauptmann d.R. Dipl.-oec.

Ralph W. Göhlert 

am Dienstag, 16. November 2010, 20.00 Uhr

 im Alten Rathaus, Sitzungssaal, 1. Stock

  Speestr.2, Ratingen-Lintorf


*****

Sektionseigener Bericht

Tiefe persönliche Eindrücke

Erfahrungsbericht über die neuen Länder der ehemaligen Sowjetunion

Durch Beschluss des Obersten Sowjets wurde zum 31. Dezember 1991 die Existenz der Sowjetunion offiziell beendet und es entstanden eine Reihe von Nachfolgestaaten aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. Damit war die siebzigjährige Phase einer kommunistischen Diktatur des Proletariats  und eines historischen Experimentes zu Ende, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. Eine Vielzahl von sogenannten Sowjetrepubliken kamen im Laufe der Jahrzehnte unter die Oberhoheit Moskaus. Nach dem Austritt der Baltischen Staaten 1990 verließen ein Land nach dem anderen die Union. Auf dem Boden der Sowjetunion entstanden viele neu gegründete Staaten, die teilweise vorher nie unabhängig waren (beispielsweise Weißrussland).

Aufgrund der Ausdehnung hat die volkreichste Russische Föderation international die größte Bedeutung und trat in vielerlei Hinsicht die rechtliche Nachfolge der Sowjetunion an. Aber auch die anderen neu entstandenen Republiken Ukraine, Belarus (Weißrussland), Georgien, Kasachstan und die Baltischen Staaten spielen im heutigen geopolitischen Umfeld ganz unterschiedliche Rollen.

Ziel dieser Veranstaltung soll es sein, ausgehend vom Zerfall der Sowjetunion in einem umspannenden Bogen die Länder Belarus, Ukraine, Kasachstan sowie die Baltischen Staaten den Teilnehmern näher zu bringen. Dabei  versuchen diese Länder ihre Position im Spannungsfeld zwischen Russland, den USA und der Europäischen Union zu finden und zu behaupten. Insbesondere die Darstellung in den Medien lässt oft an Klarheit und Objektivität zu wünschen übrig. Vorurteile und Pauschalisierung steht oft vor Verständnis und Kenntnis.

Sicherheitspolitik fängt nicht nur in Afghanistan an, sondern beginnt bereits mit dem Verhältnis zu unseren östlichen Nachbarn. Bei Diskussionen stelle ich immer wieder fest, dass bei vielen der Wissenstand über Afghanistan und das Horn von Afrika sehr aktuell und umfassend ist. Unser Verhältnis zu osteuropäischen Ländern scheint jedoch noch stark aus der Zeit des Kalten Krieges geprägt zu sein. Neben Informationsmangel ist sicherlich die westlich geprägte Medienpolitik ein Grund für die subjektive Wahrnehmung.

Erinnern wir uns doch an den Krieg zwischen Russland und Georgien im August 2008. In allen westlichen Medien wurde der Krieg zunächst so dargestellt, dass man genau wusste, wer war der Angreifer und wer das Opfer. Erst in späteren Recherchen stelle es sich heraus, dass der georgische Präsident Saakaschwili zu hoch gepokert hatte und die Weltöffentlichkeit durch intensiven Einsatz von Öffentlichkeitsarbeit irregeführt hatte. Wer von uns weiß denn überhaupt genug über den Kaukasus und dessen ethnische Vielfalt, um sich ein Urteil zu bilden?
Im Internet tauchten Videos auf, die wild um sich schießende Uniformierte zeigten, die durch ein kaukasisches Dorf fuhren. Keinem fiel dabei auf, dass diese Soldaten Georgisch sprachen und kein Russisch – woher sollten wir das auch wissen?

Bei meinen zahlreichen Reisen in osteuropäische Länder der ehemaligen Sowjetunion stelle ich immer wieder fest, dass die Lage für die meisten von uns gar nicht oder nur unzureichend verstanden wird, weil das ganze Gebiet eben durch den „Eisernen Vorhang“ so lange abgeschottet war und wir so wenig Informationen bekamen über lange Zeit. Die wenigen Informationen waren noch weitgehend von der besonderen Situation des Kalten Krieges geprägt.

Sehen wir uns heute Länder an wie die Baltischen Staaten, die als erste die Sowjetunion verließen im Zuge des Zerfalls im Jahre 1991. Während Litauen einen moderaten Kurs gegenüber Moskau fuhr und immer noch fährt, setzt Lettland auf Konfrontation. Betrachtet man die Unterdrückung des Baltikums 1940 und 1941 und nach 1945, so ist das durchaus verständlich. Problematisch wird es jedoch dann, wenn wie in Lettland der Bevölkerungsanteil zu einem Drittel aus ethnischen Russen besteht, denen man nicht einmal lettische Nationalität zugesteht.

Wer von uns weiß den eigentlich, was sich hinter Weißrussland verbirgt? Diese letzte Diktatur wird in den Medien oftmals als „Schandfleck“ dargestellt, ohne dass wir wissen, was das eigentlich für ein Land ist. Kommt man als Deutscher das erste Mal nach Minsk, so fällt sofort die übersichtliche, sowjetisch geprägte Architektur dieser Stadt auf. Der Grund dafür ist einfach: Im Zweiten Weltkrieg wurde Minsk fast vollständig zerstört und weite Teile des Landes verwüstet. Das Land war Jahre von deutschen Truppen besetzt und wurde intensiv heimgesucht von den sog. „Einsatzgruppen“ im Mittelabschnitt der Ostfront. Wer gute Nerven hat, dem sei ein Besuch im weißrussischen staatlichen „Museum für die Geschichte des Grossen Vaterländischen Krieges“ empfohlen. Nach 1945 musste man in Weißrussland quasi bei Null anfangen und das Land neu aufbauen. Aber einem Besucher aus Deutschland begegnet man heute durchaus freundlich und offen – trotz der schlechten Erfahrungen in der Geschichte. Welches Recht haben wir eigentlich, über dieses Land zu urteilen, ohne es zu kennen?

In seinem computergestützten Vortrag berichtete der Referent aus seinem eigenen Erfahrungsschatz aufgrund seiner zahlreichen Dienstreisen in diese Länder.

Text: Ralph W. Göhlert, Sektionsleiter Düsseldorf
 
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