Nachschau - Veranstaltung am 23.08.2012

 

 

Vortragsabend

zum Thema

Sicherheit der maritimen Verkehrswege –

die Achillesferse der Globalisierung?

Referent:

 

Foto: dmkn.de

Vizeadmiral a. D. Lutz Feldt

Inspekteur der Marine von 2003 bis 2006

am Donnerstag, 23. August 2012, 19.00 Uhr

im Westfälischen Industrieklub

Alter Markt 6 - 8, 44137 Dortmund

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Sektionseigener Bericht

„Nachhaltige Eindämmung der Piraterie am Horn von Afrika erfordert Wiederherstellung gesamtstaatlicher Autorität“

Ehemaliger Marineinspekteur referiert über Sicherheit maritimer Verkehrswege

Zu einer Vortragsveranstaltung mit dem Thema „Sicherheit der maritimen Verkehrswege – Achillesferse der Globalisierung?“ hatte die GfW-Sektion Dortmund/Unna gemeinsam mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft in den Westfälischen Industrieklub Dortmund eingeladen. Als Referent für diese nach wie vor höchst aktuelle Thematik konnte der frühere Inspekteur der Marine, Vizeadmiral a. D. Lutz Feldt, gewonnen werden, der seit seiner Pensionierung eine leitende Beraterfunktion bei mehreren EU-Institutionen wahrnimmt.

Vizeadmiral a.D. Lutz Feldt (li.), Inspekteur der Marine von 2003 bis 2006, zu Gast bei der Sektion Dortmund/Unna. Rechts: Sektionsleiter Thomas H. A. Schneider

Um die Bedeutung der Schifffahrt für die nationale Volkswirtschaft zu unterstreichen, wies der Referent einleitend darauf hin, dass in der Bundesrepublik etwa 380.000 Beschäftigte – hiervon 430 Reeder -  innerhalb dieser Wertschöpfungskette tätig seien. Zudem befinden sich rund 1/3 der weltweit 4700 Einheiten umfassenden Flotte von Containerschiffen in deutschem Eigentum. Auch die deutsche Binnenschifffahrt mit annähernd 2.300 Schiffen hat einen maßgeblichen Anteil am Güterverkehr, wobei europaweit Duisburg über den größten Binnenhafen und Dortmund über den größten Kanalhafen verfügt.

Mit der Vervielfachung des weltweiten Seehandels in den letzten Jahrzehnten hat auch die Piraterie einen enormen Aufschwung mit zunehmend hochprofessionell geführten Strukturen erlebt. Von den vier Küstenregionen, die am schwersten unter Piraterie leiden, ist das Horn von Afrika hervorzuheben, da hier praktisch nur große Container- und Tankschiffe auf internationalen Routen betroffen sind. Demgegenüber sind in der Straße von Malakka - d. h. im Dreiländereck von Indonesien, Malaysia und Singapur -  nur kleine bzw. langsam fahrende Einheiten gefährdet, während im westafrikanischen Golf von Guinea sich die Piraterie vereinfacht als nationales Problem für die Ölwirtschaft Nigerias darstellt. In diesem Kontext ist schließlich die Karibik zu erwähnen, doch zeigt sich hier die Piraterie vornehmlich als Facette des Drogenhandels, weshalb innerhalb der Weltgemeinschaft sich wenig Interesse an deren Bekämpfung regt.

Vortrag und Diskussion über Piraterie in Dortmund

Der Referent unterstrich, dass bei der Pirateriebekämpfung am Horn von Afrika die internationale Staatengemeinschaft mit mehr als fünfzig nationalen bzw. transnationalen Organisationen in unterschiedlicher Intensität zusammenarbeite. Hierbei leisteten auch kleine bzw. Binnenstaaten beachtliche Beiträge, wie das Beispiel Luxemburgs mit dem Chartern und Umbau eines Flugzeuges zum Seefernaufklärer zeigt.  So sei im Rahmen der von der Antipiraterie-Mission ATALANTA erfassten Ereignisse die Zahl der Angriffe in 2011 deutlich gesunken. Allerdings stellt dies kein umfassendes Lagebild dar, da nicht alle an der Piratenbekämpfung in dieser Region  beteiligten Akteure Meldung an das von der EU geführte ATALANTA-Kommando geben. Der verstärkt diskutierte Einsatz von privaten Sicherheitsdiensten an Bord wird seitens der Reeder und Schiffsführungen jedoch nicht generell als Lösung gesehen. Im Gegensatz zu staatlichen Sicherheitskräften, d. h. Soldaten und Polizisten, trägt beim Einsatz von bewaffneten Zivilisten auf einem Schiff dessen Kapitän die letztendliche Verantwortung, was jedoch nur eingeschränkt gutgeheißen wird.

 Sektionsleiter Thomas H. A. Schneider leitet die Diskussion

Abschließend wies Admiral Feldt darauf hin, dass für die nachhaltige Eindämmung der  Piraterie am Horn von Afrika, deren logistische Basen sich zumeist in Somalia befinden, die Wiederherstellung von gesamtstaatlichen Strukturen in diesem Küstenland nötig sei. Dieses Ziel verfolgen die Vereinten Nationen, die EU und die Afrikanische Union als Regionalorganisation durch die AMISOM-Mission, unterstützt durch eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen auf nationaler Ebene. Allerdings, so der Referent, sei es derzeit zu früh, eine Aussage zum Erfolg bei der Wiederherstellung von gesamtstaatlicher Autorität zu tätigen, weshalb für die Mission ATALANTA auch noch keine Befristung absehbar ist.

Text:    Thomas H. A. Schneider

Fotos:  Martin Gerdes

 

Vorschau:  Auf Bitten des Sektionsleiters Dortmund/Unna, der zugleich im Vorstand der kürzlich gegründeten Reservistenarbeitsgemeinschaft (RAG) Brüssel aktiv ist, wird Admiral Feldt zum selben Thema bei diesem neuen sicherheitspolitischen Forum des VdRBw in der europäischen Hauptstadt am 6. 12.2012 referieren (Ort: Vertretung des Landes Niedersachsen bei der EU, Rue Montoyer 61, B-1000 Brüssel).    

 

 

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