Nachschau - Veranstaltung am 24.04.2012

 

 

Vortragsabend

zum Thema

Vorbeugen ist besser als heilen -
Rüstungskontrolle als Beispiel

Referent:

Oberst Rainer Josef Bürling

Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr

am Dienstag, 24. April 2012, 19.00 Uhr

im Haus Basten, Konrad- Adenauer.Str.118,
Eingang Friedlandplatz, Geilenkirchen

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Pressebericht

vom 11.05.2012

Vorbeugen ist besser als heilen

Was Hippokrates schon wusste gilt auch noch heute

Von Herbert Wölfel

Oberst Bürling bei seinem Vortrag in Geilenkirchen

Der um 460 vor Christus geborene Hippokrates von Kos gilt als der berühmteste Arzt der Antike. Die ihm zugeschriebene Richtschnur „Vorbeugen ist besser als heilen“ sollte auch Zielsetzung für die Rüstungskontrolle der heutigen Zeit sein. Mit dieser These eröffnete  Oberst Rainer Josef Bürling vom Geilenkirchener Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr in der Selfkantkaserne seine Ausführungen.  Bürling war der Gastreferent einer Veranstaltung der GfW- Sektion Aachen/Heinsberg im Geilenkirchener Haus Basten. Als Abteilungsleiter für Globale Rüstungs- und Proliferationskontrolle gehört zu dem Aufgabenbereich seines Teams die Einhaltung und Überwachung internationaler Verträge und Abkommen. Dabei geht es um ein weites Feld. Von Kleinwaffen und konventioneller Munition, über das Verbot chemischer Waffen bis hin zum umfassenden Verbot von Nuklearversuchen. Die weltweiten Militärausgaben, so das Stockholmer Institut SIPRI,  stiegen in den letzten 10 Jahren kontinuierlich und haben 2011 ihren bisherigen Höhepunkt mit  rund 1740 Milliarden US- Dollar erreicht. Spitzenreiter sind dabei die USA und China. In der Liste der weltgrößten Waffenexportnationen ist allerdings auch die Bundesrepublik Deutschland vertreten und zwar als drittgrößter Exporteur konventioneller Waffen. Was ist zu tun? Der konzeptionelle Lösungsansatz, so Bürling, sollte in 3 Schritten vollzogen werden. Als erstes die Nichtweiterverbreitung und Nichtweiterentwicklung von Waffen, dann die Rüstungskontrolle und schließlich die Abrüstung.

Der aktuelle Atomstreit mit dem  Iran

Bei dem seit Jahren schwelenden Konflikt des Westens mit dem Regime im Iran  wird das Ziel „Vorbeugen“, also das Verhindern  weiterer Staaten mit Nuklearwaffen, besonders deutlich. Auch die Einhaltung des von 182 Staaten unterzeichneten, aber noch nicht von allen ratifizierten,  umfassenden Verbots von Nuklearversuchen gehört dazu. Bei den chemischen Waffen ist der Fortschritt deutlicher. Das Chemiewaffenübereinkommen verbietet die Herstellung, den Besitz und den Einsatz chemischer Waffen. Darüber hinaus ist die Vernichtung dieser Waffen und deren Produktionsanlagen bis 2012 beschlossen. Oberst Bürling: „Das Problem der Altlasten bleibt uns  natürlich erhalten, keiner weiß, wie lange.“  Beispiele für Altlasten sind nicht nur  die Überbleibsel ehemaliger Produktionsstätten, sondern auch Versenkungen im Meer oder einfach die oft unabsehbaren Folgen des Alterungsprozesses  der Munition.  Erhebliche Sorgen bereiten die aktuellen Waffen- und Munitionsbestände in vielen Staaten, zum Beispiel die Hinterlassenschaften des Gaddafi- Regime in Libyen. Hilfe von außerhalb ist in vielen Fällen unabdingbar. Dies hat Deutschland 2007-2009 in Kambodscha getan. Unterstützt von eindrucksvollen Bildern beschrieb der Referent seine persönlichen Erfahrungen in diesem Land. Aufgabe seines  Expertenteams war es, Unterstützung zu leisten bei der teilweise chaotischen Lagerung von Munition und die  Ausbildung der kambodschanischen Streitkräfte  in der Vernichtung der nicht mehr lagerfähigen Munition zu übernehmen.

Massenvernichtungswaffen

Während atomare und chemische Waffen als die klassischen Massenvernichtungswaffen immer wieder  in den Fokus der Weltöffentlichkeit geraten, trifft das  für die sogenannten Kleinwaffen und leichten Waffen nicht zu. „Eine Fehleinschätzung“, so Bürling, „ diese Waffen sind die eigentlichen Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts. Während der Dauer dieses Vortrags sterben 50 Menschen auf dieser Welt an den Schussverletzungen von einer Kleinwaffe!“  Zum geschätzten Gesamtbestand von weltweit 850 Millionen kommt eine jährliche Neuproduktion von über 4 Millionen. Angesichts dieser Zahlen, des unverändert florierenden legalen Waffenhandels und des illegalen Waffenhandels, der von Korruption beherrscht wird, stellen  Rüstungskontrollmaßnahmen eine gewaltige Herausforderung dar. Neue Ideen, effektivere Überwachung der Nichtweiterverbreitung   z. B. durch satellitengestützte Aufklärung tut not.

Globale menschliche Sicherheit

In seinem Schlusswort hob  der Referent hervor, dass die Komplexität der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts die begrenzten Kapazitäten der Nationalstaaten sprengten. Eine globale Sicherheitsarchitektur sei  erforderlich Er äußerte den Wunsch, dass  alle sicherheitsrelevanten Akteure, staatlich oder nichtstaatlich, dass die internationalen Organisationen, die Wirtschaft, die Wissenschaft und die Forschung sich mit Rüstungskontrolle befassen sollten und nach ihrem individuellen Beitrag zu diesem gemeinsamen Ziel suchen müssten.  Schließlich gehe es doch um nicht weniger als die Umsetzung der Forderung nach globaler menschlicher Sicherheit.

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