Nachschau - Veranstaltung am 23.04.2013

 

Vortragsabend

zum Thema

Preußen – Legende und Wirklichkeit

  Referent:

Dr. Lutz Vorbach

 

am Donnerstag, 23. April  2013, 19.00 Uhr

im Haus Basten, Konrad- Adenauer-Str. 118
Eingang Friedlandplatz, Geilenkirchen

 

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Pressebericht

vom 27.04.2013

Preußen – ein Vortrag, der mit Vorurteilen

gegen die Zeit aufräumte

Von Markus Bienwald

Er stammt selbst aus Preußen, ist Königsberger und Berufssoldat: Dr. Lutz Vorbach, der auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) zum Thema „Preußen“ referierte. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Militarismus, Pünktlichkeit, Reaktion: all diese Attribute werden landläufig gerne mit dem Begriff „Preußen“ in Verbindung gebracht. Dr. Lutz Vorbach räumte bei seinem Vortrag auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg, am Dienstagabend im Haus Basten mit einigen Vorurteilen auf. Die Legende, Preußen sei seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion, muss nach den Recherchen Dr. Vorbachs nur als Legende angesehen werden. „Die Propaganda der NSDAP bemühte sich, die direkte Linie von Friedrich dem Großen über Bismarck zu Hitler zu ziehen“, begründete er seine Aussage. Zweiter Punkt war der Militarismus, der aber beispielsweise auch vom australischen Historiker Christopher Clark widerlegt wurde. So sei der Militarismus vielmehr ein Kampfbegriff der Linken und die Bereitschaft zum Krieg vor 1914 sei beispielsweise in Großbritannien viel höher als im Deutschen Reich gewesen. Auch in Deutschland sei ein „gebrochenes Verhältnis der Deutschen zu ihrer Geschichte“ feststellbar, dass aber nach der Zeit des Nationalsozialismus nur allzu nachvollziehbar sei. „Die Scham, die wir angesichts der unfassbaren Verbrechen empfinden wird bleiben, sie muss bleiben“, stellte Vorbach fest. Dennoch sollte das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte nicht den Blick auf Epochen verstellen, die zu einem merklich entkrampfteren deutschen Selbstverständnis beitrügen. „Und dazu gehört nach meiner Überzeugung die Geschichte Preußens“, stellte der Referent klar. Er stammt selbst aus Preußen, ist Königsberger und Berufssoldat. „Vielleicht ist das ja auch preußisch, dass man einmal in seinem Leben Soldat gewesen sein sollte“, stellte er augenzwinkernd fest. Aber auch nach dem Ende seiner Laufbahn bei der Bundeswehr fielen ihm immer wieder preußische Verbindungen auf. So ziert den Schreibtisch des Gangelter Bürgermeisters das Motto des preußischen Schwarzen Adlerordens „suum cuique – jedem das Seine“ und das Glockenspiel im alten Gangelter Rathaus lässt „Üb immer Treu und Redlichkeit“ hören – „dieser Ausdruck preußischer Moral war zu jeder halben Stunde von der Potsdamer Garnisonskirche zu hören“, erinnerte sich Vorbach. Zwar ließ er selbst seinen Vortrag unter dem Begriff „holzschnittartig“ laufen, doch die rund 20 Anwesenden zeigten sich begeistert von der gelungenen Mischung aus autobiographischen Zutaten, peinlich genauer Geschichtsbetrachtung und dem Herunterbrechen von Details aus dem „großen Ganzen“. So spannte Dr. Lutz Vorbach einen nicht chronologisch angelegten Bogen von der Entstehung Preußens als künstlichem, geographisch zerrissenem Gebilde über die staatsdenkenden und staatslenkenden Herrscher, die Beamten, den Rechtsstaat bis hin zu den Frauen in Preußen. „Ich bin auf die großen preußischen Könige kaum eingegangen, nicht auf die Bismarckzeit, nicht auf den genialen Feldherrn Moltke, nicht auf die Entstehung der Sozialdemokratie und nicht auf das Kaiserreich unter Wilhelm II., das in der Katastrophe des Ersten Weltkriegs endete“, schloss Vorbach, „dennoch hoffe ich dass ich eine Vorstellung von Preußen vermitteln konnte. (mabie)

 

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