Nachschau - Veranstaltung am 20.03.2012

 

Vortragsabend

zum Thema

Energieversorgung und Klimawandel -

sicherheitspolitische Herausforderungen

im 21. Jahrhundert

Referent:

Dr. Frank Umbach

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn

am Dienstag, 20. März 2012, 19.30 Uhr

im Haus Basten

Konrad- Adenauer.Str.118,
Eingang Friedlandplatz, Geilenkirchen

*****

Eigenbericht zur Veranstaltung

Energiewende ja –

Umsetzung schwieriger als erwartet

Energieversorgung und Klimawandel – sicherheitspolitische Herausforderungen im 21. Jahrhundert

Energiesicherheit und Klimawandel war das Thema einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Anton-Heinen-Volkshochschule Heinsberg. Die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V. - Sektion Aachen / Heinsberg konnte hierzu mit Dr. Frank Umbach, einem ausgewiesenen Experten für Internationale Energie-Sicherheit am Centre for European Security Strategies, einen profunden Kenner der Materie gewinnen. Der  wurde sowohl von Dr. Ulla Louis-Nouvertné, Stv. Leiterin der VHS als auch Sektionsleiter Herbert Wölfel vorgestellt und im Namen der anwesenden rund 50 Zuhörer begrüßt.

Energiesicherheitsexperte Dr. Frank Umbach referiert auf Einladung der GfW-Sektion Aachen-Heinsberg an der Anton-Heinen-Volkshochschule in Heinsberg

Die Energieversorgung, so Dr. Umbach, liegt weitgehend in der Zuständigkeit der Wirtschaft. Seit 2006 hat die Bundesregierung dieses brisante Thema selbst aufgegriffen und u.a. erkannt, dass die hohe Abhängigkeit von nur einem Partner problematisch sein kann. Die Energieversorgung hat mittlerweile internationale, globale Dimensionen erreicht. Deutschland ist dabei keine „Energieinsel“. Bei der Energieversorgung haben sich neue kritische Sicherheitsfaktoren und neue geografische Risiken entwickelt, d.h., wir sind mit ansteigenden Bedrohungen konfrontiert. Die drei Determinanten der Energiesicherheit sind: Klimapolitik – Wettbewerbsfähigkeit – Versorgungssicherheit. Die politische und wirtschaftliche Herausforderung ist die Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes innerhalb dieses Energiedreiecks sowie die Notwendigkeit der ökologischen Gesamtbilanz der einzelnen Energieträger. Die Verwundbarkeiten liegen in der Energieversorgung, im Energieverbrauch (Gas, Strom) und in der Infrastruktur.

Die Bundesrepublik hatte 2008 eine Importabhängigkeit von Energieträgern von ca. 70% des Gesamtbedarfs, dabei ist Russland der wichtigste Öl- und Erdgaslieferant, aber auch der größte Steinkohleimporteur für Deutschland. Abhängigkeit hat auch mit dem Kernenergieausstieg zu tun. Dabei wird die Versorgungsrisiken weiter ansteigen, auch wenn der Anteil der Erneuerbaren Energien weiter wachsen wird. Wichtig sind Schätzungen, dass bis 2035 die Welt einen um ein Drittel größeren Energiebedarf als heute haben wird. Der Energieträger Öl wird drastisch zurückgehen und nur noch für die nächsten 40 Jahre verfügbar sein. Kohle hat den größten Anstieg als Energieträger in den letzten Jahren. Vor allem bei Staaten wie China, Indien, Brasilien  wird mit 70% – 80% Anstieg von 2010 bis 2035 erwartet. Die hieraus resultierenden negativen Auswirkungen auf angestrebte Klimaziele, wie z. B. die in Kioto vereinbarte 2 Grad Grenze, liegen auf der Hand.

Die reichsten Staaten in der arabischen Welt verfügen über ca. 70% des Öl- und 40% des Erdgas- Gesamtaufkommens in der Welt. Diese Region ist politisch sehr instabil, z. B. Irak und Iran, und stellt uns vor gewaltige Herausforderungen. Nicht auszudenken, welche Auswirkungen es auf die Ölversorgung der Welt hätte, käme es in Saudi-Arabien zu einem länger andauernden Bürgerkrieg wie z. B. in Syrien und damit verbundenem Ausfall der Förderungen.

Der Erdgasanteil liegt bei 24% aller Energieträger. Die Erdgasressourcen und die unkonventionellen Erdgasvorkommen (Schiefergas, dichtes Sandgestein, Kohlenflöz – Grubengas) reichen für 60 Jahre. Rohöl und Erdgas werden durch Pipelines oder mit Tanker transportiert. Dr. Umbach warnt: „Mit Pipelines gibt es keine Flexibilität, die Routen der Tanker kann man, wenn erforderlich, variieren“. Allerdings könnten Seewege wie die Straße von Hormus, wo 20% des Rohöls transportiert werden, die Straße von Malakka oder der Golf von Aden erhebliche maritime Sicherheitsprobleme aufwerfen.

Dr. Umbach fasste zusammen. Die Bundesregierung hat nunmehr den Handlungsbedarf erkannt und ein ehrgeiziges Energiekonzept mit einem Energiemix bis 2030 entwickelt und dabei einen Bedarfsrückgang an Energie von 34% angestrebt. Aber, die Energiewende wurde über das Knie gebrochen, vorher nicht sorgfältig genug abgestimmt und ist nicht vollends durchdacht. Schon heute zeigt die Weltmarktsituation auf dem Energiesektor, dass eine globale Energieaußenpolitik notwendig ist, weil die Energieressourcen immer weniger und als Folge immer teurer werden. Die Ära des billigen Rohöls ist zu Ende. Die Umsetzung des Ausstiegs aus der Kernenergie gestaltet sich schwieriger als erwartet. So ist es in den letzten fünf Jahren nur gelungen, 90 km an neuen Stromleitungen zu verlegen, was verschwindend gering ist angesichts der noch über 3000 km zu verlegenden Leitungen. Dr. Umbach mahnt: „So bringt man in Deutschland den Stromfluss der Erneuerbaren Energien von Nord nach Süd in unserem Land nicht zustande“. Eine bessere strategische Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Regierung ist dringend erforderlich und muss vorangetrieben werden. Es sollte über die Schaffung eines Energieministeriums nachgedacht werden, damit die erforderlichen übergreifenden Maßnahmen besser koordiniert werden können. Auch das Problembewusstsein der Bürger muss geschärft werden. Einer Umfrage in Deutschland zufolge sehen 60% der Befragten keine ernsthaften Probleme bei einem längeren Stromausfall. Die Überzeugung vieler Menschen, der Strom kommt aus der Steckdose, das Benzin bekomme ich an der Zapfsäule, verdeutlicht, wie viel Aufklärungsarbeit erforderlich ist. Würden doch bei einem längerem Stromausfall die Industrie, das öffentliche Leben und auch die privaten Haushalte rasch brachliegen und auch soziale Konflikte unausweichlich heraufbeschworen.

Herbert Wölfel

 

Oben                                                                                                                                                                    Zurück

Unsere Partner: