Nachschau - Veranstaltung am 16.07.2013

 

Vortragsabend

zum Thema

Syrien -

Kann es ein friedliches Miteinander geben?

Referent:

Dr. Kinan Jaeger

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn

 

am Dienstag, 16. Juli 2013,19.30 Uhr

im Haus Basten, Konrad- Adenauer.Str.118,
Eingang Friedlandplatz, Geilenkirchen

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Pressebericht

vom 26.07.2013

Ist ein friedliches Miteinander in Syrien noch möglich?

Von Markus Bienwald

Dr. Kinan Jaeger, Lehrbeauftragter am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie an der Universität Bonn,

referierte auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) im Geilenkirchener Haus Basten.

Foto: Markus Bienwald 

Geilenkirchen. Damaskus war einmal ein Symbol für Reichtum, Handel, den Vorderen Orient und die Kostbarkeiten, die es von dort zu erstehen gab. Was davon übrig blieb, zeigte Dr. Kinan Jaeger auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg im Bürgersaal des Hauses Basten. In enger Zusammenarbeit mit der Anton-Heinen-Volkshochschule (VHS) des Kreises Heinsberg und der Deutsch-Atlantischen Gesellschaft sprach der Lehrbeauftragte am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie an der Universität Bonn über die aktuelle Lage im kriegsgeschüttelten Syrien. „Heute ist die Situation sehr bescheiden und es ist beschämend, was in Syrien passiert“, sagte Jaeger. Für die Welt sei die Haltung gegenüber den Unruhen und dem teils haarsträubenden Chaos im Land ein Armutszeugnis, war er sicher. Als Halb-Syrer hat er natürlich eine sehr enge Verbindung zu allem, was im Heimatland seines Vaters vor sich geht. Früher, blickte er zurück, sei Syrien ein normales Land gewesen, in dem ein Gefühl von Sicherheit auch für die ganz normalen Menschen auf der Straße vorgeherrscht habe. Doch der arabische Frühling, der selbst von Insidern nicht im Land erwartet wurde, habe dies radikal umgeworfen. Die Sicherheit innerhalb des Systems Syrien sei nun nicht mehr gegeben, obwohl es sich bei dem Staat, der von den Amerikanern schon länger als so genannter „Schurkenstaat“ gelabelt wird, früher um eine sehr autoritäre Diktatur gehandelt habe. „Bei der Demokratie als Erfolgsrezept bin ich mir nicht mehr ganz so sicher“, warf Dr. Jaeger in den mit gut 60 Gästen gefüllten Raum, „zumindest, was die arabische Welt betrifft.“ Natürlich barg diese These einigen später reichlich genutzten Diskussionsstoff. Doch in der Tat sei die Situation der Menschen im Land früher in der Diktatur berechenbar und sicher gewesen. Vor allem im Vergleich zu den umliegenden Nachbarn wie Libanon, Irak, Israel und Palästina habe man in Syrien bis zum Beginn der Unruhen relativ ruhig leben können. Das herrschende Chaos seit der Machtübernahme Assads führte der Referent nicht unbedingt auf dessen Person zurück. „Jemand, der Augenarzt ist und die westliche Lebensweise kennen und schätzen gelernt hat, wird nicht mit viel Wohlwollen in diese Position hineingeschlüpft sein“, meinte Jaeger. In diesem Zusammenhang warnte er auch eindringlich davor, dem in westlichen Medien vermittelten Bild eines bösen Machthabers und guter Rebellen all zuviel Glauben zu schenken. So zeigte er Bilder, die von Rebellen stammten, angeblich einen Luftangriff des herrschenden Regimes zeigten, aber eindrucksvoll die zerstörerischen Aktivitäten von inneren rebellischen Kräften aufzeigten. Die Interessen- und Gemengelage innerhalb des Landes, aber auch in der teils explosiven Konstellation um Syrien herum, werde durch den Ölreichtum des Landes noch angespitzt. „Da sind Milliarden von Petrodollars im Boden“, warf Jaeger aus wirtschaftlicher Sicht ein. Viel wichtiger als der Reichtum war ihm aber, wie moralisch mit dem umzugehen sei, was dort vor sich geht. Die UNO hat in seinen Augen durch die Polarisierung der Syrien-Frage im Weltsicherheitsrat versagt. „Ich bin der Meinung, man könnte viel mehr tun“, meinte er mit Blick auf die Haltung Deutschlands. Schließlich gebe es auch angesichts von 100000 Toten und 1,5 Millionen Flüchtlingen bei 22 Millionen Syrern insgesamt eine moralische Verantwortung, etwas zu unternehmen. „Denn es kann uns nicht egal sein, was dort passiert“, unterstrich Jaeger abschließend, „denn, was in Syrien passiert, ist vergleichbar mit Srebenica oder dem Platz des Himmlischen Friedens“. (mabie)

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