Nachschau - Veranstaltung am 15.09.2011

 

Vortragsabend

zum Thema

Rechtsradikalismus und
streitbare Demokratie

Referent:

Dr. Rudolf van Hüllen

Extremismus- und Parteienforscher

am Donnerstag, 15. September 2011, 19:30 Uhr 

im Haus Basten, Konrad- Adenauer.Str.118,
Eingang Friedlandplatz, Geilenkirchen

 

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Pressebericht

GfW-Vortrag zum Thema „Demokratie und Rechtsextremismus“ in Geilenkirchen

Von Markus Bienwald

Da der Referent des Abends aus verschiedenen Gründen nicht abgelichtet werden darf, stellten sich der frisch wiedergewählte Sektionsleiter der GfW, Sektion Aachen/Heinsberg, Herbert Wölfel (r.) und der Geschäftsführer Josef Latour zum Bild. Foto: Markus Bienwald

(Zum Vergrößern: Bild anklicken)

Geilenkirchen. Frisch wiedergewählt, freute sich Sektionsleiter Herbert Wölfel beim jüngsten Vortragsabend der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg, über viel Zuspruch. Denn zum Vortrag von Dr. Rudolf van Hüllen zum Thema „Streitbare Demokratie und Rechtsextremismus“, kamen rund 40 Gäste in den Bürgersaal des Hauses Basten. Der Referent, Jahrgang 1957, arbeitete 20 Jahre lang für das Bundesamt für Verfassungsschutz und ist seit einigen Jahren freiberuflich als Radikalismus-Forscher tätig. Zwar durfte er aus verschiedenen Gründen nicht abgelichtet werden, doch brachte er in seinem gut einstündigen Vortrag viel Licht in ein mit vielen vorgefertigten Bildern verbundenes Thema. So machte Dr. van Hüllen gleich zu Beginn klar, dass radikal sein grundsätzlich nich etwas antidemokratisches sein muss. Extremistische Positionen hingegen erfüllten diesen Vorwurf, denn sie negieren, sowohl religiös wie auch politisch motiviert, die Grundregeln demokratischen Zusammenlebens. Als langjähriger Kenner auch der linksextremen Szene, unterstrich der Vortragende, dass Strukturen und Denkweisen im Extremismus „gravierende Gemeinsamkeiten“ aufweisen. Ob das spezielle Problem des Rechtsextremismus ursächlich mit dem Leben in einer Grenzregion zusammenhängt, konnte er nicht belegen. Klar sei auch, dass eine „Revolution von Rechts nicht bevorsteht“. Beunruhigend empfand Dr. van Hüllen, dass der Trend, bei leicht abschmelzenden Mitgliedszahlen der NPD von etwa acht- bis neuntausend deutschlandweit, zum Neonazismus anhalte. „Kameradschaften bilden dabei als örtliche, informelle Zirkel“ die unterste Einstiegsschwelle, etwa gleichauf mit dem Bindungsniveau, das so genannte „Subkulturelle“, die in der Öffentlichkeit als rechtsradikale, gewaltbereite Skinheads aufträten, vereint. In Nordrhein-Westfalen gibt es offiziell etwa 1350 „Subkulturelle“, dazu rund 750 NPD-Vertreter, 640 Neonazis und 350 Menschen, die so genannten „pro“-Organisationen angehören, wie zum Beispiel der „pro-Köln“-Bewegung. Letztere richten sich, laut Dr. van Hüllen unter dem Deckmantel der Bürgerlichkeit, gegen den Bau einer Großmoschee, die von der lokalen Politik ignoriert werde. Genau dort, wo die Politik Themen einfach ignoriere oder zum Beispiel in Bereichen im Osten, wo ganze Gebiete auszusterben drohen, nähmen Rechtsextreme wie die NPD die „vergessenen“ Themen auf und nutzten sie für ihre Zwecke. Dann würden in Schwarz und Weiß gezeichnete Thesen entworfen, die nur Gutes oder Schlechtes kennen und keinen Platz für andere Meinungen lassen. Dennoch machte der Experte keine ganz einheitliche Ideologie aus. Vielmehr versuchten die Rechtsextremen, die sich in den letzten Jahren deutlich mehr in Richtung eines Verbundes ausrichten, verschiedene Eigenschaften für sich zu reklamieren. Dazu gehöre laut Dr. van Hüllen aber immer die Betonung einer angeblichen, natürlich Ungleichheit der Menschen, die Ausgrenzung und Abwertung von Menschen und übersteigerter Nationalismus. „Kampf wird als Lebensprinzip propagiert, nicht Frieden“, machte er klar. Dennoch korrigierte er das Erscheinungsbild des tumben, rechten Schlägers. Es seien nicht mehr die gewaltbereiten Menschen mit Baseballschläger, sondern vielmehr in Kadern geschulte Vertreter rechter Lager, die heute mit Agitation und Propaganda in der Öffentlichkeit auftreten. „Zur Strategie gehört, reputierlich auszusehen“, machte van Hüllen deutlich, „und die Fähigkeit, Inhalte so zu verpacken, dass das Publikum, auf die sie zielen, auch kapiert“. Für den Umgang mit Rechtsextremismus hielt der Experte noch einige Argumente vor. So riet er, sich nicht an die andere politische Extreme zu halten, da diese mindestens ähnliche antidemokratische Tendenzen aufwiesen, indem sie unverhohlen dem Stalinismus huldigen. Vielmehr sah Dr. van Hüllen in einer vernünftigen Reaktion der Zivilgesellschaft, beispielsweise durch ein auch im Kreis Heinsberg aktives Bündnis für Demokratie und Toleranz, den richtigen Ansatz. „Und eins ist klar: Rechtsextremismus kriegt man nie völlig weg, denn eine pluralistische Gesellschaft ist nie völlig besenrein“, bekräftigte er. So sei es wichtig, nie gleichgültig zu sein oder demokratische Strukturen in irgendeiner Form aufzugeben. (mabie)

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