Nachschau -  Veranstaltung am 15.03.2010

Der Nahostkonflikt -

noch immer keine Lösung in Sicht?

Referent: 

  

Dr. Kinan Jaeger

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn

am Montag, 15. März 2010, 19.30 Uhr

im Haus Basten (Eingang Friedlandplatz)

Konrad-Adenauer-Str. 118, Geilenkirchen

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Pressebericht
Geilenkirchener Zeitung

Lokales / Seite 16 vom Fr, 19. März 2010

Mauer kann nicht die endgültige Lösung sein

Der Nahostkonflikt ist das Thema beim Vortragsabend der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik mit Dr. Kinan Jaeger. Der Experte konfrontiert Publikum mit plakativen Thesen. Die Lage zwischen Israelis und Palästinensern.

Geilenkirchen. Der Nahe Osten wird gern als „Pulverfass“ bezeichnet, an dem sich die Welt einmal entzünden könnte. Die neuerliche Absicht Israels, weitere 1600 Wohnungen in Siedlungen zu bauen, bietet derzeit reichlich neuen Diskussionsstoff. So gesehen war das Thema „Der Nahostkonflikt – immer noch keine Lösung in Sicht?“ beim Vortragsabend der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, Sektion Aachen/Heinsberg, kaum aktueller zu gestalten. Vorsitzender Herbert Wölfel freute sich, mit Dr. Kinan Jaeger einen ausgewiesenen Kenner der Materie als Redner gewonnen zu haben. Jaeger hat einen syrischen Vater und eine deutsche Mutter, promovierte über die Bedeutung des Palästinenser-Problems für die deutsch-israelischen Beziehungen und ist Experte an der Universität Bonn für die Sicherheitspolitik im Nahen und Mittleren Osten. Seine teils plakativen Thesen regten gegen Ende seines einstündigen Vortrages zu einer lebhaften Diskussion im mit rund 50 Gästen gut besuchten Bürgersaal des Hauses Basten an.

Geschäftsführer Joseph Latour, Referent Dr. Kinan Jaeger, Sektionsleiter Herbert Wölfel

Doch zunächst stellte er die Situation vor Ort dar. „Vertrauensbildende Maßnahmen sind gleich null, denn keiner traut dem anderen so richtig“, weiß Jaeger. Dazu kommt, dass manch geschichtliche Tatsache von den jeweils anderen einfach ignoriert wird. Einen Holocaust finden Interessierte in palästinensischen Geschichtsbüchern nämlich eben so wenig, wie die Israelis die Palästinenser als eigene Volksgruppe einstufen. Fehlende Kenntnis der anderen Sprache mache zudem das tägliche Durcheinander an den vielen Grenzposten zu einer gefährlichen Angelegenheit. Dennoch stellte Kinan Jaeger fest, dass die von Israel errichtete Grenzabsperrung zumindest dem innerisraelischen Sicherheitsdrang entgegenkomme. „Die Attentate sind zurückgegangen, aber eine Mauer, das wissen wir in Deutschland nur zu gut, kann nicht die endgültige Lösung sein“, so der Referent. Vor dem Hintergrund des absoluten und mit nahezu allen Mitteln durchgesetzten, eigenen Sicherheitsbedürfnisses von Israel sei auch die Einbindung in die weltpolitische Lage zu sehen. So sah Jaeger die USA als einen derzeit „schwierigen Partner“ für Israel, zumal nur durch US-Dollars die schwelenden Konflikte beispielsweise in Ägypten und Saudi-Arabien unterdrückt würden. Dadurch, erklärte der Politologe weiter, konnte es zur Achse Teheran – Damaskus – Hisbollah kommen, um den US-amerikanischen Einfluss in dieser Region zu mindern. Und während Israel festungsähnliche Siedlungen mit vor allem aus Russland und den USA stammenden Juden füllt, strebt Palästina weiterhin einen eigenen Staat mit einer Hauptstadt Ost-Jerusalem an. Lösungen würden zwar in diesem Spannungsfeld, das auch Auswirkungen auf die Weltpolitik hat, immer wieder erarbeitet, aber noch sei keine für alle Seiten tragbare Lösung gefunden worden. „Darum ist die Situation völlig festgefahren, keiner tut etwas für den anderen, die USA tun nichts und auch Europa tut nichts“, konstatierte Dr. Jaeger. Er ging sogar noch weiter und stellte die Frage, ob überhaupt ein ernsthaftes Interesse vorhanden sei, diesen Konflikt zu lösen. „Schließlich sichert er den Einfluss auf ein Gebiet, das nah am Öl ist“, schloss er, „und schließlich ist Israel vertrauenswürdiger als so mancher Nato-Partner.“ Auch darum müsse sich der Westen den Vorwurf gefallen lassen, im Konflikt nicht ganz unparteiisch zu sein. (mabie)

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