Nachschau - Veranstaltung am 12.10.2010

Vortragsabend

zum Thema

Brauchen wir noch die NATO ?

Referent:

 Prof. Dr. Ralph Rotte

RWTH Aachen

am Dienstag, 12. Oktober 2010, 19.30 Uhr

im Haus Basten

Konrad-Adenauer-Str. 118, Geilenkirchen

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 Pressebericht

Die Nato wird noch gebraucht,

sollte sich aber in Ausrichtung und Inhalt ändern

Geilenkirchen. Auf die provokante Frage „Brauchen wir die Nato noch?“ hatte Universitätsprofessor Dr. Ralph Rotte bei seinem Vortrag eine klare Antwort: „Ja, wir brauchen die Nato noch, aber wichtiger ist, wie sie morgen aussehen soll“. Viele Argumente hörten die Gäste dieses Vortragsabends am Dienstag im Bürgersaal des Hauses Basten an der Konrad-Adenauer-Straße. Eingeladen dazu hatte die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg, in enger Kooperation mit der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg. Sektionsleiter Herbert Wölfel spielte Professor Rotte den Ball mit seiner These zu, dass die aktuelle Grundausrichtung des transatlantischen Bündnisses aus dem Jahr 1998 stammt. Einer Zeit also, in der weder der von den USA ausgerufene, globale Krieg gegen den Terror noch der Krieg in Afghanistan eine Rolle spielten.

Universitätsprofessor Ralph Rotte von der RWTH Aachen sprach auf Einladung der

Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg,

über die Frage, ob die Nato noch gebraucht werde. Foto: Markus Bienwald

(Zum Vergrößern: Bild anklicken)

Rotte, seines Zeichens Politikwissenschaftler an der RWTH Aachen und zugleich Volkswirt, hat sich durch zahlreiche Veröffentlichungen im Bereich der Sicherheitspolitik bereits einen Namen gemacht. Und sein gut einstündiger Vortrag war nicht nur mit Argumenten gespickt. Charismatisch schilderte Dr. Rotte beispielsweise, dass das Ende des Kalten Krieges und die Wiedervereinigung Deutschlands die Nato zunächst grundlegend infrage gestellt hätten. Der Wegfall des Hauptfeindes UdSSR, die Fokusverschiebung der USA und die Rolle der USA, damit hatte Rotte schon drei Merkmale beisammen, mit der sich die Nato seit einigen Jahren auseinandersetzen muss. „Dazu kommt, dass man nichtstaatliche Gegner wie Terrorgruppen bekämpft, obwohl die Ausrichtung der Nato klar auf staatliche Gegner abzielt“, fasste er die Ausgangslage zusammen. Eine USA, deren Militäretat alleine größer sei als der gesamte Bundeshaushalt in Deutschland, komme noch hinzu. „So haben die Europäer im Augenblick nichts, was sie den amerikanischen Drohnen entgegenstellen können“, stellte der Referent fest. Dass die Europäische Union wie auch die Vereinten Nationen keine Alternativen zu einer reformierten Nato sein könnten, stellte er ebenso klar heraus. So leide die EU darunter, kein Verteidigungsbündnis zu haben, dazu ist sie strukturell darauf ausgelegt, die Nato zu stützen, nicht zu ersetzen. „Wenn die Vereinten Nationen funktionieren würden, würden sich alle an Beschlüsse halten, denn sie sind bindend; aber es hält sich eben keiner daran“, nannte Rotte ein Grundproblem der UNO. Fehlende eigene Truppen, ein großer Reformstau, das Vetorecht der Großen und nicht zuletzt die Abhängigkeit vom Engagement der Großmächte machten aus der UNO ebenso keine Alternative zur Nato. „Da Gewaltanwendung auf absehbare Zeit relevant bleibt, ist die Nato die einzige, funktionsfähige überregionale Militärmacht“, schloss Rotte. Vor dem Hintergrund möglicher Sicherheitsrisiken wie dem Wiederaufstieg der „alten Mächte“ Russland und China, neuer Regionalmächte, dem Drang einiger Staaten nach Massenvernichtungswaffen, transnationalem Terrorismus, organisierte Kriminalität und nicht zuletzt möglicher Massenmigrationen aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels werde eine Nato aber weiterhin Bestand haben müssen, fand er. „Es gibt Probleme, die man nicht mit rein militärischer Gewalt lösen kann, aber zur Bewältigung solcher Krisen ist man sehr gut beraten, militärische Komponenten zu betreiben“, unterstrich der Politikprofi. Allerdings brauche das Bündnis dazu ein neues strategisches Konzept, solle global zurückhaltender agieren und sich auf die Kernkompetenzen besinnen, so Rotte abschließend. (mabie)

 

Mehr über die NATO bei Wikipedia

 

Die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V. ist wegen ihrer förderungswürdigen Aufgaben durch Freistellungsbescheid Finanzamt Bonn, Steuer-Nr 205/ 5764/ 0498 vom 04.06.2008 als gemeinnützig und spendenfähig anerkannt. Zweckgebundene Spenden können eingezahlt werden bei Raiffeisenbank Geilenkirchen, Konto-Nr: 100 938 5017, BLZ 370 693 02, Stichwort „Sonderkonto GfW“; Mitgliedschaft: Jahresbeitrag 15,00 €

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