Nachschau - Veranstaltung am 11.03.2014

 

 Referent:

Andrey Gurkov

Seit 1993 Moskauexperte

bei der Deutschen Welle in Köln

am Dienstag, 11. März 2014,19.30 Uhr

im Haus Basten

Konrad - Adenauer. Str.118,

Eingang Friedlandplatz,

Geilenkirchen

 

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vom 13.03.2014

Von Markus Bienwald

Der russische Journalist Andrey Gurkov referierte auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW)

im Geilenkirchener Haus Basten zur Person Wladimir Putins. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Nur selten dürfte eine Veranstaltung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg, so viele Besucher angezogen haben, wie diese. Denn am Dienstagabend ging es mit dem Referenten Andrey Gurkov um die Person des russischen Präsidenten Wladimir Putin. In Zusammenarbeit mit der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg und der Deutsch-Atlantischen Gesellschaft zeigte Gurkov auf, warum Putin auch über „seine“ Olympischen Spiele in Sotschi und den aktuellen politischen Entwicklungen auf der Krim und darüber hinaus einen Platz in der Geschichte beansprucht.

„Bei der Bewertung Putins müssen wir die Frage der Macht in den Vordergrund stellen“, unterstrich der Journalist und Experte für sein Heimatland gleich zu Beginn. Dabei müssten vor allem Kontinentaleuropäer von grundlegend anderen Machterfahrungen ausgehen. „Macht in Russland ist byzantinisch“, so Gurkov, „und wer einmal von dieser Droge gekostet hat, verspürt nicht die Lust, ihr zu entsagen.“ Putin habe nach Ansicht Gurkov diese Macht schon früh genossen und habe im Grunde genommen alles, was seinen Weg bis heute kennzeichnet, der Macht unterworfen. Putin habe eine andere Denke, er sieht sich als Herrscher, der für die Ewigkeit da sei, statt wie beispielsweise Bush oder Obama spätestens nach zwei Wahlperioden wieder vom Gipfel der Macht zu verschwinden. In seiner ersten Amtsperiode habe der russische Präsident noch wirtschaftsliberal gehandelt, aber spätestens mit der orangenen Revolution in der Ukraine sei er auf den reinen Machtweg eingeschränkt. „Seit dieser Zeit wird im Kreml auch der Gedanke gepflegt, dass der Westen permanent daran arbeitet, die ehemaligen Sowjetrepubliken systematisch zu unterlaufen“, macht Gurkov deutlich. So erkläre sich auch, dass die Nato derzeit wieder als Feind angesehen werde und sich – auch durch nicht von der Weltgemeinschaft sanktionierte Maßnahmen der USA – ein gestärkter Anti-Amerikanismus breitmache.

Ohnehin agiere Putin mit einem anderen Geschichtsverständnis, was auch dadurch belegt sei, dass für ihn die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts nicht der Zweite Weltkrieg, sondern der Zerfall der früheren UdSSR ist. „Aber die Idee einer eurasischen Union Russland funktioniert nicht ohne die Ukraine“, so Gurkov weiter. Durch die Zweigeteiltheit der Ukraine mit der Ausrichtung nach Moskau auf der einen Seite und der westlichen Orientierung auf der anderen Seite, habe sich aber eine Gemengelage entwickelt, die zur derzeitigen Konzentration auf die Rückführung der Krim in russische Hoheit führe. „Aber wie gehen wir damit um?“, fragte Gurkov, der für sich auch keine allgemeingültige Lösung reklamierte. Krieg, ob nun militärisch oder wirtschaftlich, schloss er aus. So sah er die Haltung der Weltgemeinschaft bei einer „Krim okay, aber nicht weiter“-Stellung angekommen, weil Putin sein Gesicht verlieren würde, wenn er die Krim in der jetzigen Situation wieder hergäbe. „Was uns nun bevorsteht, ist etwas, was uns wahnsinnig an den Kalten Krieg erinnern wird“, schloss Gurkov. Wobei nach seiner Ansicht die im Moment nur auf den steigenden Ölpreis setzende russische Wirtschaft noch ein strukturelles Problem habe, dass die schwelenden Konfliktpotenziale künftig noch weiter anheizen könnte. „Denn ohne Strukturreformen hat Russland wirtschaftlich keine Chance, ein stabiles Wachstum zu schaffen“, schloss der Referent. (mabie)

 

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