Nachschau - Veranstaltung am 10.02.2011

Vortragsabend

zum Thema

Gottesstaat im Fadenkreuz -

Die Islamische Republik Iran

Referent:

Prof. Dr. Ortwin Buchbender

ehemaliger Leitender Wissenschaftlicher Direktor

der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation (AIK), Strausberg

am Donnerstag, 10. Februar 2011, 19.30 Uhr

im Haus Basten, Konrad- Adenauer.Str.118,
Eingang Friedlandplatz, Geilenkirchen

 

*****

Pressebericht

Pulverfass des Nahen Ostens,

Wirtschaftsmacht oder Gottesstaat?

Vortrag im Haus Basten zum Iran

von Markus Bienwald

Geilenkirchen. Hochbrisant ist die weltpolitische Bedeutung des Iran nicht erst seit der Wahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Wie eng Geschichte, Religion, Politik und Selbstbild des Staates im Nahen Osten miteinander verknüpft sind, zeigte ein Vortrag im Bürgersaal des Hauses Basten auf. Dort referierte am Donnerstagabend auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg der renommierte Friedensforscher Professor Dr. Ortwin Buchbender.

Auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik referierte der renommierte Friedensforscher Professor Dr. Ortwin Buchbender über den Iran. Foto: Markus Bienwald

(Zum Vergrößern: Bild anklicken)

Zu Beginn zog aber Sektionsleiter Herbert Wölfel einen Rückschluss zwischen den scheinbar stabilen Regimen in Tunesien und Ägypten und der Lage im Iran. „Ob dieser revolutionäre Funke überspringt in einen der anderen Staaten, bleibt abzuwarten“, so Wölfel. Prof. Buchbender spannte danach einen zeitlich sehr weit gefassten Bogen. Er basierte seine Worte auf der im Iran allgegenwärtigen Religiösität und dem vorherrschenden Schiitentum. Diese berufen sich auf Geschehnisse im siebten Jahrhundert, nach denen ein zwölfter Imam kommen wird, um als Allahs Stellvertreter auf Erden zu regieren. „Ahmadinedschad ist ein glühender Verehrer dieser These“, stellte der Professor dar, der zuletzt als Leitender Wissenschaftlicher Direktor der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation in Strausberg tätig war. „Religionen besetzen Phantasien und Ideologien den Verstand“, machte er den rund 60 Zuhörern klar, „gegen diese Phantasien kommen Sie nicht an“. So sei die nicht enden wollende Serie von Selbstmordanschlägen vor allem auch auf eine sehr gründliche mentale Vorbereitung der Attentäter zurückzuführen. Sie handelten aus Überzeugung und auf Basis religiöser Versprechungen, bringen damit aber immer wieder andere Menschen um ihr Leben. Vor diesem Hintergrund zeichnete er in etwas mehr als 60 Minuten einen vielschichtigen Vortrag, der vor allem von vielen eingestreuten Geschichten lebte. So zum Beispiel von dem Beginn der Anschläge in Beirut 1983, bei denen 232 US-amerikanische Marinesoldaten ums Leben kamen. Aber auch der Blick auf die Entwicklung durch den Reformer Chomeini blieb nicht unerwähnt. Ihn nannte Professor Buchbender „unglaublich begabt“, er habe eine Verfassung geschaffen, die einen Gottesstaat erst ermöglichte. Zwar scheiterte Chomeini mit seinem Versprechen, die gewaltigen Öl- und Gasressourcen des Landes zu nutzen, um wirtschaftlichen Wohlstand für alle zu garantieren. Dennoch seien die Lehren des Chomeini noch heute die Basis für einen funktionierenden Staat. Und dieser Staat, den der Referent als „zentrale Ordnungsmacht im Nahen Osten“ bezeichnete, könnte, wenn die Religion die Wirtschaft nicht so bremsen würde, durchaus als Makler mit anderen vom Islam geprägten Ländern fungieren. „Doch hoffen wir, dass die komplizierten Beziehungsgeflechte im diplomatischen Bereich auf Verständnis ausgelegt sind“, schloss er vor einem bewegten Publikum. (mabie)

Oben                                                                                                                                                                   Zurück

Unsere Partner: