Nachschau - Veranstaltung am 07.09.2010

 

Vortragsabend

zum Thema

Warum denke ich deutsch, aber fühle es nicht?

Referentin:

Frau Dr. Askim Müller-Bozkurt

Politikwissenschaftlerin

GfW-Sektionsleiterin Köln

am Dienstag, 07. September 2010, 19.30 Uhr

im Haus Basten

Konrad-Adenauer-Str. 118

Geilenkirchen

Zur Veranstaltung:

Wussten Sie, dass ungefähr 15 Millionen Menschen in unserem Land einen Migrationshintergrund haben? Das heißt: 20% der Einwohner sind selbst zugewandert oder zumindest der Vater oder die Mutter stammt aus dem Ausland. Und jedes 3. Kind in Deutschland wird in eine Zuwandererfamilie hineingeboren.

Im Juli 2010 legte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration den Lagebericht 2008-2010 vor. Hierin erkennt die verantwortliche Staats-
ministerin im Bundeskanzleramt, Maria Böhmer, Fortschritte bei der Sprache, Bildung und Ausbildung. Dennoch sei „die Integration vieler Migranten sowohl im Bildungsbe-reich als auch auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor dramatisch“.

Unsere Gastreferentin stellt uns ihre persönlichen Überlegungen zur Integration vor.

Zur Person der Referentin:

Dr. Askim Müller- Bozkurt

1966        geboren in Kayseri, Türkei

1987        Abitur

1987-93  Studium der Politikwissenschaft, Geschichte, Soziologie an der Universität

                 Stuttgart

1997        Dr. rer. pol. mit summa cum laude

                 Freiberufliche Dozentin

                 Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Seit

2009        Ratsmitglied in Kerpen

*****

Pressebericht

GfW-Vortrag spiegelt perfekt das aktuelle Thema Zuwanderung wieder

von Markus Bienwald

Geilenkirchen. Ein besseres Timing für den Vortrag „Warum denke ich deutsch, fühle es aber nicht?“ konnte es nicht geben. Und das empfanden alle 30 Anwesenden im Bürgersaal des Hauses Basten so. Denn auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GFW), Sektion Aachen/Heinsberg, sprach Dr. Askim Müller-Bozkurt aus Kerpen zu den Gästen. Die 1966 im türkischen Kayseri geborene Politikwissenschaftlerin, legte vor allem vor dem aktuellen Hintergrund der Diskussion um die Aussagen von Thilo Sarrazin eine vielschichtige und vor allem von Viel Diskussion geprägte Aussage auf den Tisch. Sarrazin hat zwar zwischenzeitlich selbst die Konsequenz aus dem im Buch „Deutschland schafft sich ab“ geschriebenen gezogen und ist zurückgetreten. Einen Rückzug der persönlichen Art hat auch die Referentin hinter sich, denn sie war interkulturelle Beraterin bei der Bundeswehr. „Ich ging als Deutsche in die Bundeswehr rein und kam als Türkin wieder raus“, sagte sie beeindruckend offenherzig. Sie selbst ist im Prinzip in Deutschland gelebte Integration, ist sie doch, als Kind einer Arbeiterfamilie, die 1971 nach Deutschland kam, mit einem Abitur samt summa-cum-laude-Promotion ausgestattet. Dennoch kann sie, das machte sie immer wieder deutlich, nicht genau sagen, was sie in einzelnen Momenten fühlt. „Ich denke deutsch und fühle türkisch“, versuchte sie es zu umreißen und dazwischen gebe es noch sehr viele feine Abstufungen, je nach dem, wo sie sich gerade aufhält. Zwar sehnt sie sich nach dem Geruch des früheren türkischen Dorfes, nach dem Duft frisch gebackenen Brotes, nach den Geschichten ihrer Großmutter. Dennoch hat sie, so Dr. Müller-Bozkurt weiter, mit 15 Jahren ihr Herz an Deutschland verloren. „Ich will weiterhin Deutschland und seine Werte verteidigen und ich hoffe, dass man nicht aus Freunden Feinde macht“, gab sie ein überdeutliches Votum für Integration ab. Für sie ist Heimat etwas, was dort entsteht, wo sich das Herz hinverlangt. In den Aussagen Sarrazins, von dessen Buch sie nach eigenen Angaben rund 40 Seiten, aber nicht das gesamte Werk gelesen habe, findet sie großen Zynismus. Ein Nazi sei er in ihren Augen aber nicht, dennoch erkenne sie, dass Sarrazin „ein bestimmtes Vokabular“ benutze. „Ich würde ihn höchstpersönlich nicht nur aus der SPD ausschließen, ich würde ihn sogar verklagen“, schloss sie. Zwar spiegelte das, was sie über die Thesen Sarrazins sagte, nicht unbedingt immer genau das wieder, was die Zuschauer an lebhaften Diskussionsbeiträgen zusteuerten. Doch unterm Strich wurde klar, dass die von Dr. Askim Müller-Bozkurt gelebte Integration in ihren Augen ganz anders aussieht als das, was Thilo Sarrazin, der sich nach eigener Aussage als „europäische Promenadenmischung“ sieht, in seinem Buch formuliert. (mabie)

 Dr. Askim Müller-Bozkurt, SPD-Politikerin, freiberufliche Dozentin und Politikwissenschaftlerin aus Kerpen, sprach auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik im Geilenkirchener Haus Basten über das Thema Integration. Foto: Markus Bienwald

Lagebericht 2008 - 2010 der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration

Die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V. ist wegen ihrer förderungswürdigen Aufgaben durch Freistellungsbescheid Finanzamt Bonn, Steuer-Nr 205/ 5764/ 0498 vom 04.06.2008 als gemeinnützig und spendenfähig anerkannt. Zweckgebundene Spenden können eingezahlt werden bei Raiffeisenbank Geilenkirchen, Konto-Nr: 100 938 5017, BLZ 370 693 02, Stichwort „Sonderkonto GfW“; Mitgliedschaft: Jahresbeitrag 15,00 €

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