Nachschau - Veranstaltung am 01.09.2014

 

 

Vortrag und Diskussion

zum Thema

  Referent:

Lutz Vorbach

 

am Montag, 01. September 2014, 19.30 Uhr

im Haus Basten, Konrad- Adenauer-Str. 118
Eingang Friedlandplatz, Geilenkirchen

 

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vom 13.09.2014

Vortrag der GfW im Haus Basten zum Ersten Weltkrieg

Von Markus Bienwald

Lutz Vorbach sprach auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, Sektion Aachen/Heinsberg, im Geilenkirchener Haus Basten über die Frage nach der deutschen Schuld am Ersten Weltkrieg. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. 100 Jahre ist es her, da zogen meist begeistert aussehende Menschen in den Ersten Weltkrieg. Auf die Suche nach der deutschen Schuld an dieser ersten großen Katastrophe des 20. Jahrhunderts begab sich nun die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW), Sektion Aachen/Heinsberg, mit ihrem Referenten Lutz Vorbach. Im Bürgersaal des Hauses Basten fanden sich dazu rund 50 Interessierte zusammen.

Der frühere Oberst und Forscher über das Leben und Wirken von Gerhard Mercator, sichtete im Vorfeld nicht nur die in diesem Jahr reichlich erschienene Literatur zum Thema. Er griff auf das 1961 erschienene Buch „Griff nach der Weltmacht“ des Hamburger Historikers Fritz Fischer auf, das Deutschland bewusste Kriegstreiberei vorwarf. „Fischer hatte akribisch geforscht, aber das Gesamtbild, zu dem natürlich auch die anderen Kriegsparteien gehören, war er schuldig geblieben“, so Vorbach. Basierend auf den aktuellen Veröffentlichungen von Christopher Clark („Die Schlafwandler“) und Herfried Münkler („Der große Krieg“) schuf Vorbach ein kompliziert erscheinendes Bild europäischer und weltumspannender Machtgefüge, die im Ersten Weltkrieg gemündet sind. Dennoch schickten sich die neuesten Forschungen an, ein anderes Bild von der Schuld am „Großen Krieg“ wie er vor dem Zweiten Weltkrieg hieß, zu zeichnen. „Clark sagte kürzlich, dass sich die Deutschen mit dem Gedanken anfreunden müssten, die liebgewonnene Schuld mit anderen zu teilen“, so Vorbach.

Vor dem Hintergrund eines gänzlich anderen Selbstverständnisses der meist national und imperialistisch denkenden Staatsoberhäupter, gab es in Europa mehr ein Gefühl der Paranoia und des Misstrauens untereinander. Bündnisse wie die „Entente Cordiale“ zwischen England und Frankreich, aber auch multilaterale Bündnisse wie zwischen Frankreich und Russland, die ihrerseits schützend die Hand über den Balkan legen wollten, um sich gegen das Osmanische Reich in Sachen Schwarzes Meer abzusichern, waren an der Tagesordnung. „Vor 100 Jahren gab es kein Vertrauen, Sicherheit konnten nur starke Streitkräfte gewährleisten, die beim Nachbarn wiederum ein Gefühl der Bedrohung auslösten“, unterstrich der Referent. Das Gefühl einer Gemeinschaft, die das Europa der letzten 70 Jahre bis zum heutigen Tag immer mehr präge, habe aber auch unter gegenseitigen Nadelstichen gelitten, die beispielsweise von Serbien gegen Österreich immer wieder gesetzt wurden. Die berühmten „Schüsse von Sarajevo“ am 28. April 1914 beim von Serben initiierten Attentat auf den österreichischen Thronfolger brachten das Fass dann zum Überlaufen. Und so rutschte Deutschland nach Ansicht Vorbachs über das komplizierte Geflecht gegenseitiger Zusicherungen verschiedener europäischer Staaten in den Krieg.

„Da bei einem Angriff auf Serbien mit einem Kriegseintritt Russlands zu rechnen war versicherte sich Wien zunächst der deutschen Unterstützung“, beschrieb Vorbach den Beginn vom schleichenden Kriegseintritt des Deutschen Kaiserreichs. Die Unterstützung wurde zugesichert, dieser „Blankoscheck“ wurde von den Österreichern eingelöst und sorgte für eine Kettenreaktion: Das österreichische Ultimatum an Serbien mündete in der russischen Unterstützung für die Serben, und auch das Bündnis zwischen Frankreich und dem bis dato beispiellos aufgerüsteten Russland zog, sodass nach den Schüssen von Sarajevo nur ein Monat verging, bis die erste Kriegserklärung vorlag. Wie die Schuld der Deutschen am ersten großen Krieg zu bewerten sei, betrachtete Vorbach abschließend vielschichtig. „Das Deutsche Reich hat zweifellos außenpolitische Fehler gemacht“, sagte er, „der schwerwiegendste war, dass Deutschland den bismarckschen Kurs der Stabilisierung des Friedens durch ein Geflecht von Bündnissen verließ.“

Ein den Deutschen vor allem von englischer Seite gern zugeschriebenes, aggressives Verhalten wollte Vorbach so auch nicht stehen lassen, ebenso fand er keine Hinweise auf einen besonders ausgeprägten deutschen Militarismus. „Da waren Russland, Frankreich und auch England viel militärischer“, schloss der Referent. Vielmehr hätten Russland und besonders Frankreich seit 1912 gezielt auf den Krieg gegen Deutschland hingearbeitet. So sei der Krieg zwar nicht zu verhindern gewesen, „aber hätte auch nur einer geahnt, was dieser Krieg für die Welt und für das eigene Volk bedeuten würde, er hätte alles getan, um ihn zu verhindern.“ (mabie)

 

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